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Wintersport 2022/23

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38 SPORT E | 2022 KUNSTBAHNRODELN Dominik Fischnaller Noch nicht bei 100 Prozent Der Sport schreibt seine eigenen Geschichten. Eine besondere Geschichte erzählt den Weg von Dominik Fischnaller zu seiner ersten Olympia-Medaille. 2018 in Pyeongchang lag die Medaille bereit. Er war in Form, hatte die Bahn im Griff, und es herrschten die richtigen Temperaturen. Aber es sollte nicht sein. Am ersten Tag ist er nicht gut gefahren, und nach der Aufholjagd am zweiten Tag fehlten ihm 2 Tausendstelsekunden auf Bronze. Ein Abstand, der in den meisten Sportarten gar nicht mehr gemessen wird. Vier Jahre später in Peking holte er diese Medaille, obwohl die Voraussetzungen denkbar schlecht waren. Schon im Herbst plagten ihn Schulterschmerzen, die zwar im Lauf des Winters nachließen, sich aber ausgerechnet beim letzten Weltcup vor Olympia wieder bemerkbar machten. In Yanqing konnte er nur mit Schmerzmitteln starten. Dazu kam noch, dass sein Cousin Kevin Fischnaller zwei Tage vor dem Rennen positiv auf Corona getestet wurde. Die beiden haben zwar nicht im gleichen Zimmer geschlafen, aber Kontakt war unvermeidbar. „Das war schon vom Kopf her sehr schwer“, erzählt er. Jeder Corona-Test (es musste täglich einer gemacht werden) wurde zur Zitterpartie. Jener vor den letzten beiden Läufen war dann tatsächlich positiv, aber weil er ihn erst kurz vor den Läufen gemacht hat und PCR-Tests nicht sofort ausgewertet werden können, rodelte Dominik Fischnaller noch zu Bronze, bevor er in Quarantäne musste. Die Fahrt ins Quarantäne-Hotel hat er noch in guter Erinnerung: „Es war ein altes Hotel mit einer Eisenkette beim Eingangstor. Ich bin mir vorgekommen wie eingesperrt. Meine Quarantäne war dann aber nicht so schlimm wie jene von Kevin. Wenn es mir fad wurde, brauchte ich nur die Medaille anzuschauen, die ich mitgenommen hatte. Dann wurde die Laune sofort wieder gut“, erinnert sich Fischnaller. Corona ging schnell vorbei (nach 7 Tagen durfte er nach Hause fliegen), die rechte Schulter war das größere Problem. Der bekannte Physiotherapeut Helmuth Seyr hat ihm geraten, sich einmal von Dr. Mark Tauber anschauen zu lassen. Das ist ein in München tätiger Spezialist für Schulterchirurgie, der aus Südtirol stammt. Nach der Untersuchung war klar: Operation oder kein Spitzensport mehr. Eine Sehne war eingerissen. Am 1. März wurde Dominik Fischnaller in München operiert. Nach der Operation war an Training zunächst nicht zu denken. So ist er in die USA zu seiner Freundin Emily Sweeney gereist, die in Lake Placid lebt, und hat mit ihr Zeit verbracht. Normal trainieren konnte er erst wieder Mitte September. Vorher war nur Training möglich, das die Schultern nicht beansprucht hat, zum Beispiel Stärkung der Rücken- und Bauchmuskulatur. Vor dem ersten Bahntraining Anfang Oktober in Lillehammer konnte er erstmals Starts üben. „Deshalb sind meine Startzeiten noch bescheiden. In der Bahn läuft es ganz gut, aber beim Start fehlt noch viel. Wenn der Weltcup beginnt, bin ich sicher noch nicht bei 100 Prozent“, dämpft er die Erwartungen vor dem Saisonstart. Dass der Weltcup eine Woche später beginnt als geplant, spielt ihm sicher in die Karten. Das Auftaktrennen Ende November wurde abgesagt, weil wegen der Fußball-WM keine TV-Übertra-

KUNSTBAHNRODELN SPORT E | 2022 39 gung garantiert werden konnte. Es wird aber nicht total gestrichen, sondern im Jänner nachgeholt. Wegen des Trainingsrückstandes ist Dominik Fischnaller sehr zurückhaltend, was seine Saisonziele anbelangt. Aber verstecken will er sich trotzdem nicht: „Wahrscheinlich ist es nicht realistisch, aber ich möchte immer vorne mitfahren. Die Weltcuprennen finden alle auf Bahnen statt, die mir gefallen.“ Das gilt allerdings nicht für die Bahn in Oberhof, wo die Weltmeisterschaft stattfinden wird. „Das ist nicht unsere Bahn, aber man weiß ja nie, vielleicht wird sie es noch.“ Einige starke Konkurrenten werden in der kommenden Saison fehlen, denn Russland bleibt weiterhin von den Wettkämpfen ausgeschlossen. „Aber es wird trotzdem schwer genug gegen die Weltcup-Kalender 3./4. Dezember 9./10. Dezember 16./17. Dezember 7./8. Jänner 14./15. Jänner 4./5. Februar 11./12. Februar 18./19. Februar 25./26. Februar Igls Whistler Park City Sigulda Sigulda Altenberg Winterberg St. Moritz Winterberg Deutschen und die Österreicher, die mit Georg Hackl als Cheftrainer wahrscheinlich noch besser geworden sind. Und die Letten sind sicher auch stark“, nennt Fischnaller die voraussichtlich härteste Konkurrenz. Das Fernziel heißt Olympia 2026, und da gibt es leider viele Fragezeichen. Mit dem Bau der Bahn in Cortina wurde immer noch nicht begonnen. Die Stimmen, die fordern, dass dieser Eiskanal überhaupt nicht gebaut wird und dass die olympischen Wettkämpfe in Igls stattfinden sollen, werden immer lauter. „Ich gehe immer noch davon aus, dass die Bahn gebaut wird. Aber natürlich wissen auch wir, dass es Bestrebungen gibt, nach Igls auszuweichen“, sagt Fischnaller, für den eines klar ist: „Wenn wir weiterhin keine eigene KUNSTBAHNRODELN Österreich Kanada USA Lettland Deutschland Deutschland Schweiz Deutschland 2022/23 Bahn haben, dann wird das Kunstbahnrodeln in Italien keine Zukunft haben.“ DOMINIK FISCHNALLER Geburtsdatum und -ort: 20. Februar 1993 in Brixen Wohnort: Meransen Sportgruppe: Carabinieri NATIONALTEAM KUNSTBAHNRODELN HERREN A-Kader: Leon Felderer (Latzfons), Dominik Fischnaller (Meransen), Kevin Fischnaller (Meransen), Lukas Gufler (Platt in Passeier), Simon Kainzwaldner (Villanders), Fabian Malleier (Völlan), Ivan Nagler (Longiarü), Patrick Rastner (Lüsen), Emanuel Rieder (Meransen), Ludwig Rieder (Meransen) Junioren: Alex Gufler (Platt in Passeier), Lukas Peccei (Wengen) Jugend männlich: Philipp Brunner (Wengen), Leon Haselrieder (Völs), Manuel Weißensteiner (Steinegg) DAMEN A-Kader: Verena Hofer (Feldthurns), Marion Oberhofer (Rodeneck), Sandra Robatscher (Tiers), Andrea Vötter (Völs), Nina Zöggeler (Tiers) Juniorinnen: Nadia Falkensteiner (Kiens), Annalena Huber (St. Lorenzen) Jugend weiblich: Katharina Sofie Kofler (Völlan), Alexandra Oberstolz (Antholz)

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