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Wintersport 2022/23

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20 SPORT E | 2022 SKI ALPIN Nadia und Nicol Delago Olympia ist abgehakt, große Ziele bleiben Sie hat sich den ersten Podestplatz ihrer Karriere für das wichtigste Rennen des Jahres aufgespart. Am 15. Februar 2022 eroberte Nadia Delago Bronze in der Olympia-Abfahrt von Peking, geschlagen nur von Corinne Suter (Schweiz) und Teamkollegin Sofia Goggia. Nadia Delago Es gibt sie also doch, die akribischen Karriereplanungen im Sport. Eine, die es geschafft hat, einen derartigen Plan bisher punktgenau umzusetzen, ist Nadia Delago. Bis vor 2 Jahren im Weltcup noch auf Erfahrungssuche und mit „nur“ einem Top-10-Platz, klassierte sie sich im vergangenen Winter in den Abfahrten gleich 5 Mal in den Top 8. Mit Rang 4 in Zauchensee und Platz 5 in Garmisch- Partenkirchen als absolute Highlights. Das sind bei den Damen die mit Abstand schwierigsten Strecken. Nur ein Podestplatz, der wollte der seit 12. November 25-Jährigen nicht gelingen. Diesen Podestplatz sparte sich Nadia Delago für Olympia auf. An einem bitterkalten, minus 22 Grad messenden Wintertag im chinesischen Yanqing schlug Nadia Delagos große Stunde, als sie trotz einer nicht optimalen Fahrt zu Bronze raste. Mit Nummer 11 unmittelbar hinter ihrer „großen“ Schwester Nicol gestartet, holte sie 20 Jahre nach Abfahrts-Silber von Isolde Kostner in Salt Lake City wieder eine Olympiamedaille ins Grödner Tal. Dabei gestaltete sich für Nadia Delago vor allem die Warterei im Ziel als kaum auszuhaltender Aufreger: Nach ihr waren Corinne Suter und Sofia Goggia schneller, mit Kira Weidle und Lara Gut-Behrami standen aber noch 2 Favoritinnen oben. Während Gut-Behrami keine Rolle spielte, war die Deutsche Weidle bei der letzten Zwischenzeit noch 0,3 Sekunden schneller als Delago, im Ziel aber 0,14 Sekunden hinten. Nicol (oben) und Nadia Delago „Die Warterei im Ziel hat mich fast fertig gemacht“, erinnert sich Nadia Delago noch immer zurück. „Ich war völlig aus dem Häuschen und habe zu meiner Schwester Nicol gesagt, dass ich wohl Vierte werde. Sie war hingegen überzeugt, dass ich mit Bronze nach Hause fahren würde. Ich habe bis zur letzten Läuferin gezittert und konnte erst ruhig durchatmen, als das Rennen nach Nummer 36 zu Ende war.“ Dass es nach dem olympischen Karriere- Highlight einen Leistungsknick gab mit Platzierungen außerhalb der Top 10, hat Nadia Delago genau analysiert: „Da war die Luft draußen. Ich war mental müde, habe mich von der ganzen Aufregung, dem ganzen Drumherum nicht so schnell erholt. Es war mein erster Podestplatz, dazu bei Olympia. Die ganzen Pressetermine, Empfänge usw. – das hat mehr geschlaucht, als ich mir eingestehen wollte.“ Deswegen weiß Nadia Delago auch, wo sie noch Luft nach oben hat: „Im Kopf muss ich stärker werden. Mir fehlt oft noch die letzte Entschlossenheit.“ Und spricht damit auch indirekt den Super-G an, in dem sie leistungsmäßig stark hinter der Abfahrt hinterherhinkt. In der letzten Saison war ein 18. Rang ihre beste Platzierung, 4 Mal landete sie außerhalb der Punkteränge. „Technisch muss ich mich noch verbessern, die Rhythmuswechsel besser in Griff bekommen. Der Super-G ist eine extrem schwierige Disziplin. Man hat nur diesen

SKI ALPIN SPORT E | 2022 21 einen Lauf, muss sich bei der Pistenbesichtigung alles perfekt einprägen. Da muss ich noch besser werden.“ Damit dies auch funktioniert, haben die Speedfahrerinnen der „Azzurre“ in den vergangenen Monaten soviel Riesentorlauf trainiert wie nie zuvor. Vor allem nach dem langen, fast fünfwöchigen Trainingsaufenthalt in Ushuaia (Argentinien) war im Oktober fast durchwegs Riesentorlauftraining am Schnalstaler Gletscher angesagt. Bevor in einer Woche in Lake Louise (Kanada) die Speed-Saison mit 2 Abfahrten und einem Super-G beginnt, stand zuletzt in Copper Mountain im US-Bundesstaat Colorado ausgiebiges Speed-Training auf dem Programm. Und Materialtests, die die Delago-Sisters mit einem neuen Servicemann in Angriff nehmen mussten. Ihr bisheriger Skiman Christoph Atz ist im Frühjahr zur Skifirma Head gewechselt (er betreut dort die Österreicherin Magdalena Egger), was verständlicherweise mit Emotionen verbunden war. Nadia Delago: „Wir waren schon sehr enttäuscht, dass es so gelaufen ist. Christoph hatte uns fest versprochen, bei uns zu bleiben. Seine Entscheidung, zu Head zu wechseln, fiel erst ziemlich spät und war ein schwerer Schlag, ja ein Schock für uns. Aber wir mussten es akzeptieren. Nun richtet uns Marco Sberze (er war zuletzt bei Karoline Pichler und Roberta Melesi) die Skier her, und wir sind mit ihm sehr zufrieden.“ Ehrungen, Medientermine, Feiern – der Frühling und Sommer war ein intensiver für Nadia Delago. Zuletzt stand sie bei der „Dolomiten“-Sportlerwahl im Rampenlicht, wo sie hinter Biathletin Dorothea Wierer glänzende Zweite wurde. Nadia Delago hat sich riesig über diese Auszeichnung gefreut und zeigte sich zugleich beeindruckt: „Es macht mich sehr stolz, dass so viele Fans in Südtirol unsere Rennen verfolgen. Südtirol hat soviele Weltklassesportlerinnen, und dann nicht nur unter die Top 6 zu kommen, sondern gleich Zweite zu werden, macht mich fast sprachlos.“ Und fügt gleich hinzu: „Die Bronzene bei Olympia hat mich nicht verändert. Ich bin immer noch die gleiche Nadia Delago wie vorher. Dafür sorgt meine Familie, mein Freundeskreis, mein Skiclub Gröden. Die Bronzene ist genial, aber geändert hat sich deswegen nichts.“ Geballte Frauenpower im Hause Delago: Von links Nicol, Mama Carmen und Nadia. Nicol Delago Es war die Saison 1 nach ihrem Achillessehnenriss, zugezogen am 1. Dezember 2020. Und sie begann mit einem Paukenschlag: Gleich bei ihrem Comeback-Rennen in Lake Louise wurde Nicol Delago Achte. Als ob sie nie weggewesen wäre! Was sich in Folge aber als Irrtum herausstellte. Nicol Delago war zwar ständig mit dabei, aber nicht so richtig mittendrin wie ihre Schwester Nadia, sondern sie hatte mit zahlreichen Höhen und Tiefen zu kämpfen. Nicol Delago: „Die Verletzung ist perfekt ausgeheilt. Mir fehlte aber die Gelassenheit, ich habe mir nach Platz 8 wohl zuviel erwartet. Ich war nicht locker genug, bin dann in Val d’Isere gestürzt, und da kam auch die Sicherheit abhanden.“ Die Folge: Nicol Delago kam zwar weitere 8 Mal in die Punkteränge, mehr als ein 12. Rang in der Abfahrt in Zauchensee und ein 13. Rang im Super-G von Garmisch-Partenkirchen waren aber nicht drin. Als akribische Arbeiterin weiß Nicol Delago, wo sie die Hebel ansetzen muss: „Wir haben NADIA DELAGO Geburtsdatum und -ort: 12. November 1997 in Brixen Wohnort: Wolkenstein Sportgruppe: Polizei heuer viel Riesentorlauf trainiert, vor allem im Schnalstal, und auch mit Marta Bassino und Federica Brignone zusammen. Ich bin überzeugt, dass ich nun eine ganz andere Sicherheit draufhabe als noch vor einem Jahr. Die Basis ist gelegt, um im Winter voll drauflos zu fahren. Die Vorbereitung lief optimal, auch athletisch geht es mir sehr gut.“ Dass Nicol Delago von ihrer Schwester Nadia leistungsmäßig überholt wurde, ist für die 26-Jährige kein Problem. „Jede geht ihren eigenen Weg, jede fährt für sich. Man kann keine Vergleiche anstellen. Nadia ist konstant gewachsen, bei mir haben sich die Höhen und Tiefen stärker abgewechselt. Das gehört dazu und hilft mir, weiter zu wachsen.“ Zumal sie auch charakterliche Unterschiede feststellt: „Ich bin zweifellos impulsiver als Nadia. Sie ist stabiler, steht vielleicht mehr im seelischen Gleichgewicht. Ich habe mehr Ausreißer nach oben und nach unten, bin emotionaler, sensibler. Sie ist in gewissen Situationen sicher cooler als ich.“ NICOL DELAGO Geburtsdatum und -ort: 5. Jänner 1996 in Brixen Wohnort: Wolkenstein Sportgruppe: Finanzwache

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