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36 AKTUELL Was

36 AKTUELL Was Unternehmen attraktiv macht Die Zeiten, als Unternehmen nach einer Stellenausschreibung aus einem Stapel an Bewerbungen die ideale Arbeitskraft aussuchen konnten, sind definitiv vorbei. Heute befinden sich in vielen Branchen die Arbeitssuchenden auf der Habenseite. Sprich: Sie haben mehr Wahlfreiheit und können somit auch gewisse Ansprüche besser geltend machen. Wonach aber suchen junge Menschen? Was macht Unternehmen für sie attraktiv? Alexa Seebacher, Direktorin des Landesamtes für Ausbildungs- und Berufsberatung, erfährt in ihren Beratungsgesprächen viel über Werte, Wünsche und Ziele von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die einen Beruf anstreben. „Wichtig ist ihnen, vom Arbeitgeber bzw. der Arbeitgeberin ernstgenommen und wertgeschätzt zu werden. Sie wollen sich entwickeln können.“ Früher hat man junge Menschen in Betrieben ihre Unerfahrenheit oft sehr Alexa Seebacher, Direktorin des Landesamtes für Ausbildungs- und Berufsberatung wohl spüren lassen. Sie wurden zum Teil von oben herab behandelt und haben das auch meist toleriert. Heute hingegen ist das Selbstbewusstsein viel größer. „Junge Menschen wollen mit Respekt behandelt werden. Wenn das nicht der Fall ist, dann wechseln sie auch die Arbeitsstelle“, sagt Alexa Seebacher. „Sie sind in der Regel nicht bereit, alles hinzunehmen.“ Bereit, Verantwortung zu übernehmen Trotzdem möchten neue Arbeitskräfte in ihre Arbeitsbereiche eingeführt und nicht ins kalte Wasser geworfen werden. Letzteres bremse lediglich ihre Einsatzbereitschaft, sagt die Amtsdirektorin. Andererseits seien junge Menschen sehr wohl bereit, nach der entsprechenden Einarbeitung Verantwortung zu übernehmen. Wer fähige und motivierte Arbeitskräfte in seinem Team haben möchte, der sollte auf ein gutes Betriebsklima achten. Und dazu zähle auch die Möglichkeit zur Flexibilität, so Alexa Seebacher: „Den jungen Erwachsenen von heute sind ihre Freizeit und die Familie wichtig, deshalb achten sie auf die Arbeitszeiten und generell auf die Work-Life-Balance.“ Sicherheit wieder Thema Und wie sieht es angesichts von Corona und Krieg mit dem Thema Sicherheit am Arbeitsplatz aus? Dazu Alexa Seebacher: „Das ist derzeit ein großes Thema. Je unsicherer die Umwelten, desto größer ist das Streben nach Sicherheit.“ Deshalb werde bei der Berufsberatung wieder häufiger nach einem Studium, einer Ausbildung gefragt, wo im Anschluss die Sicherheit auf einen Arbeitsplatz besteht. Gut vorbereitet zum Gespräch Welche Tipps hat die Amtsdirektorin für Bewerber und Bewerberinnen, die ihre Wünsche bei den künftigen Arbeitgebern im Gespräch positionieren möchten? Alexa Seebacher: „Wichtig ist, dass sie sich bereits im Vorfeld einen Eindruck vom Betrieb machen, etwa über die Homepage oder noch besser über Gespräche mit Leuten, die bereits im Betrieb arbeiten.“ Denn: Betriebsinhaber wollen verstehen, warum Jugendliche sich genau für diesen Betrieb interessieren. „Je besser vorbereitet man ins Vorstellungsgespräch geht,

AKTUELL 37 desto mehr punktet man“, erklärt sie. „Bewerber und Bewerberinnen sollen sich zudem Gedanken über die eigenen Stärken und Schwächen machen und sich überlegen, welcher ihr Beitrag für den Betrieb sein kann.“ Die Frage „Warum glauben Sie, für diese Stelle geeignet zu sein?“ kommt beim Bewerbungsgespräch so gut wie sicher. „Strikte 40-h-Woche schreckt mich ab“ Janin Höllrigl aus Tscherms ist Universitätsabgängerin und auf der Suche nach einer Arbeitsstelle. Die 24-Jährige steht zwar nicht für alle, aber für die wachsende Anzahl an jungen Menschen, die sich sehr intensiv mit der eigenen und der Zukunft der Gesellschaft insgesamt auseinandersetzen. Entsprechend hat sie auch sehr konkrete Vorstellungen über potenzielle künftige Arbeitgeber. Radius: Was macht ein Unternehmen für Sie attraktiv? Janin Höllrigl: Am wichtigsten ist mir, dass die Tätigkeit des Unternehmens meinen persönlichen Werten entspricht. Ich muss mich damit identifizieren können. Da ich im Klimaschutz engagiert bin, steht das Prinzip der Nachhaltigkeit für mich ganz oben. Radius: Welche Wünsche haben Sie an ein Unternehmen, für das Sie arbeiten? J. Höllrigl: Ich wünsche mir, dass mir ein Unternehmen eine gewisse Verantwortung überträgt und ich nicht nur als ausführende Kraft eingesetzt werde, selbst wenn ich noch nicht allzu viel Erfahrung habe. Schwertun würde ich mich, wenn ein Betrieb extrem hierarchisch aufgebaut ist. Mir ist Teamarbeit wichtig und dass man sich trotz unterschiedlicher Positionen auf der gleichen Ebene begegnet – was nicht heißt, dass man mir als „Neue“ nicht sagen darf, wenn etwas falsch läuft. Ich möchte schließlich etwas lernen. Eher geht es um den gegenseitigen Respekt und das kollegiale Miteinander. Radius: Wie wichtig ist für Sie das Gehalt? J. Höllrigl: Es ist insofern wichtig, dass ich damit meine Wohnungsmiete zahlen und meinen Lebensunterhalt bestreiten muss. Aber es ist nicht das Hauptkriterium. Radius: Und die sogenannte Work-Life-Balance …? J. Höllrigl: Ehrlich gesagt schreckt mich eine strikte 40-h-Woche mit permanenter Anwesenheit im Büro etwas ab. Ich bin, wie viele andere junge Menschen ehrenamtlich engagiert und finde diesen Teil des Lebens ebenso wertvoll für die Gesellschaft wie jene Arbeit, mit der man Geld verdient. Deshalb fände ich es gut, wenn sich Unternehmen bei der Arbeitszeitregelung generell offen zeigen würden. Ich kann mir gut vorstellen, vielleicht etwas weniger zu verdienen und dafür mehr Freizeit für meine anderen Tätigkeiten zu haben. Radius: Corona, aber auch der aktuelle Krieg, generell die Unsicherheit, haben den Arbeitsmarkt beeinflusst. Hatten Sie vor diesen Ereignissen andere Vorstellungen und Wünsche, was Ihre künftige Arbeit anbelangt? J. Höllrigl: Nicht, was die Arbeit selbst anbelangt, denn ich finde, Corona und andere aktuelle Ereignisse zeigen, dass sich auch der Arbeitsmarkt hin zu mehr Klimaschutz und weniger Abhängigkeit von fossiler Energie bewegen muss. Was sich seit Corona bei mir, wie wohl bei vielen, verändert hat, ist die Erfahrung mit dem Homeoffice. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern diese Möglichkeit zu geben, sofern mit der Tätigkeit kompatibel, ist in meinen Augen ein großer Pluspunkt. Da geht es natürlich auch um Vertrauen beiderseits. Janin Höllrigl Janin Höllrigl (24) stammt aus Tscherms und lebt in einer Wohngemeinschaft in Bozen. Sie hat ein Bachelorstudium in Ernährungswissenschaften und ein Masterstudium in Ökologie und Biodiversität abgeschlossen. Erste Arbeitserfahrungen hat sie bereits gesammelt. Außerdem ist Janin Höllrigl ehrenamtlich aktiv, vor allem im Bündnis für Klimaaktion Südtirol (Climate Action South Tyrol).

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