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94 Nr. 4/2020 FRAGEN AN DEN EXPERTEN Sinnhaftigkeit und Fallstricke bei Investitionen im Ausland Die Radius-Themenausgaben informieren und vermitteln zeitgemäßes Wissen in kompakter Form. In dieser Rubrik beantworten unsere Experten aktuelle Fragestellungen. Diesmal einige spezifische Detailfragen zur Sinnhaftigkeit und Fallstricke in der Bemühung ausländischer Vermögensanlagen von Unternehmen und Privatpersonen. Anonyme Anfrage: Als aufmerksamer und kritischer Mitbürger verfolge ich seit Jahren das wirtschaftliche und politische System in Italien. Da mein Vertrauen in dessen Stabilität zunehmend abgenommen hat, überlege ich seit längerem einen Teil meines Privatvermögens in andere Länder zu verschieben bzw. dort zu investieren. Ist dieser Teil somit vor dem italienischen Staat als getrennt und somit komplett unabhängig zu sehen? Philipp J. Gamper: Dieses sehr spannende Thema ist nicht ganz einfach zu beantworten. Prinzipiell sind jedoch zwei grundlegende Fakten zu beachten. 1. Insofern Sie in Italien steuerpflichtig sind, hat der italienische Staat das Besteuerungsrecht über Ihr gesamtes Welteinkommen. 2. Der italienische Gesetzgeber sieht eine Mitteilungspflicht und eine Besteuerung von ausländischem Vermögen von in Italien ansässigen und steuerpflichtigen Personen vor (dies gilt auch für juristische Personen). Im Folgenden möchte ich kurz auf Punkt 2 eingehen und schicke voraus, dass es sich dabei um die aktuelle gesetzliche Regelung handelt, welche theoretisch jederzeit für Sie positiv oder negativ vom Gesetzgeber geändert werden kann. Dies sollten Sie angesichts Ihrer ursprünglichen Beweggründe in Ihren Entscheidungsprozess mit einfließen lassen. Genannte Mitteilungs- bzw. Besteuerungspflicht betrifft im Speziellen das Finanzanlagevermögen und den Immobilienbesitz. Beim Finanzanlagevermögen handelt es sich im weiteren Sinne um Wertpapiere, Beteiligungen und Bankkonten (auch Schließfächer). Einlagen bis 5.000 Euro Jahresdurchschnitt und 15.000 Euro Jahresmaximum sind von der Mittteilungspflicht befreit und müssen nicht mit dem für alle anderen ausländischen Finanzanlagen gültigen Steuersatz von 0,2 Prozent pro Jahr besteuert werden – hier fällt lediglich eine aktuell moderate fixe Steuer von 34,20 Euro pro Bankkonto an (diese Fixgebühr wäre auch bei einem italienischen Konto fällig). Die Besteuerung des Immobilienvermögens sieht neben etwaigen Einkommensteuern auf Einnahmen auch einen fixen Steuersatz von 0,76 Prozent pro Jahr vor. Die Definition der Bemessungsgrundlage für Immobilien variiert dabei von Land zu Land und kann zu erheblichen Unterschieden führen. Hier ist Vorsicht geboten! Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass für nicht deklarierte Vermögen teils erhebliche Strafen drohen, welche im Falle von sogenannten „Black List – Ländern“ umso strenger gehandhabt werden. Die von Ihnen gestellte Frage der Unabhängigkeit ist somit prinzipiell zu verneinen. Wenn Sie hier jedoch detailliertere Informationen benötigen oder Ihren spezifischen Fall besprechen wollen, ist sicherlich ein Gespräch mit einem Experten notwendig. Peter S., Terlan: Ich habe mich aus dem von mir gegründeten Softwareunternehmen schrittweise zurückgezogen und nun interessiert es mich aufstrebende Software-StartUps zu unterstützen. Grundsätzlich will ich meine Wirkungsstätte in Südtirol behalten und einige interessante Unternehmen gibt es auch hierzulande. Da viele anfangs nur auf nationaler Ebene operieren, interessiert es mich wie die ersten Schritte in der Erschließung neuer Märkte aussehen sollten, damit ein solches Unternehmen heutzutage unabhängiger und somit krisensicherer wird?

FRAGEN AN DEN EXPERTEN Nr. 4/2020 95 Rainer M. Sigmund: Ihre Überlegung ist absolut nachvollziehbar. Ob und wie ein Unternehmen auch für den weltweiten Markt bereit ist und vom Standort Südtirol aus erfolgreich internationalisiert werden kann hängt von vielen, vorwiegend intrinsischer Faktoren ab, vor allem in diesem Sektor. Softwareund Digitalisierungsinnovatoren beflügeln vorwiegend vom Silicon Valley (USA) oder Shenzen (China) aus die ganze Welt und ja, einige relevante Hotspots haben sich inzwischen auch in Europa gebildet. Eine Tech- Disziplin, welche sich beispielsweise sehr erfolgreich auf dem europäischen Kontinent etabliert, ist die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft. Wurden Rainer M. Sigmund Die Experten europaweit aus Eigenkapitalfinanzierungen 2014 noch 77 Millionen Euro in Startups des sogenannten „Proptech- Sektor“ investiert, waren es 2019 bereits knapp 500 Millionen. Indem Sie Firmenanteile erwerben und dem Unternehmen durch frisches Geld ermöglichen das Produkt in anderen Ländern einzuführen, können Sie Absatz, Umsatz und den Gewinn steigern, den Bekanntheitsgrad der Marke erhöhen und so auch Ihr Risiko verringern, nur in einem Markt investiert zu haben. Die grundlegende Frage ist: Ist das Produkt in diesen neuen Märkten verkaufbar, lieferbar, supportbar? Provokant gefragt: wurde hier in Südtirol groß genug gedacht, welches Team steht dahinter und wie sieht ein eventuell angepasstes Geschäftsmodell aus, welches sich unter Umständen in jedem neuen Markt unterschiedlich gestalten könnte? Beginnen Sie mit der Erstellung einer Liste der Länder, an denen Sie aus bestimmten Gründen interessiert sind. Anschließend überlegen Sie ob das Produkt des Startups für eines der Länder auf Ihrer Liste besonders geeignet ist und starten mit einer Marktforschung. Die Kultur, die Gepflogenheiten oder die Gesetze sind alles Erfolgsfaktoren, welche auch im unmittelbar nahen Europa äußerst wichtig zu berücksichtigen sind. Die Geschwindigkeit einer Markterschließung hängt immer von der Vorbereitung der einzelnen Säulen im Marketing-Mix ab. Sie orientiert sich oftmals auch daran, ob Sie mit ihrer Branchenlösung als Erster auf dem Markt eintreten oder ob Sie abwarten, wie erfolgreich Mitbewerber sind und Sie denen entsprechend auf den Markt folgen. Grundsätzlich kennen Sie bis dahin auch die Potentiale und den Umfang eines Markteintritts und entscheiden sich dementsprechend auch für eine der strategischen Methoden des Markteintritts. Eine Entscheidung, welche wiederum die Geschwindigkeit der Marktdurchdringung beeinflusst. sind Partner bei Vinburg Projects, der Südtiroler Unternehmensberatung mit Spezialisierung in den Bereichen der Projektprüfung/Due-Diligence- Prozesse, Unternehmensentwicklung von KMUs und Projektmanagement. Querdenker mit Weitblick. Smart. Professionell. Mehr unter: www.vinburg.com Philipp J. Gamper Koordiniertes Bauen mit arcFACTORY Wir begleiten dich bei deinem Bauvorhaben – und zwar vom Anfang bis zum Ende. arcFACTORY Josef-Ressel-Straße 2f | 39100 Bozen T +39 0471 1726615 | info@arcfactory.eu www.arcfactory.eu brandnamic.com | Foto: fotolia.com (Vasyl) 202009_arcfactory_inserat_zett.indd 1 18.09.20 13:43

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