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70 Nr.

70 Nr. 6/2019 „Wieviel wert ist meine Bude?“ In Zeiten von „Die Höhle der Löwen“, „Shark Tank“, „2 Minuten, 2 Millionen“ und „Dragons, Den“ werden nicht mehr nur Finanzexperten, Investoren und Unternehmer mit dem Begriff der Unternehmensbewertung konfrontiert, auch das weniger fachkundige Publikum geht damit auf Tuchfühlung. Sowohl Gründer, etablierte Unternehmer, Investoren und Banken beschäftigen sich mit dem Thema Unternehmenswert insbesondere dann, wenn ein Kauf/Verkauf, Beteiligung oder Finanzierung eines Unternehmens bevorsteht. Doch was genau ist ein Unternehmen eigentlich wert, und wie wird dies ermittelt? Unabhängig von dem zum Einsatz kommenden Bewertungsverfahren ist im Vorfeld einer Bewertung immer zu klären, zu welchem Zweck eine Unternehmensbewertung durchgeführt werden soll. Die Zweckabhängigkeit des Unternehmenswertes hat einen bedeutenden Einfluss auf dessen Ergebnis. Unterschiedliche Bewertungszwecke führen zu unterschiedlichen Unternehmenswerten. Die Unternehmensbewertung zur Ermittlung der Erbschaftssteuer wird andere Aspekte berücksichtigen als eine Unternehmensbewertung zur Ermittlung eines Kaufpreises für einen potenziellen Investor. Dort, wo ein Investor eine niedrige Bewertung anstrebt, erwarten Verkäufer des Unternehmens eine möglichst hohe Bewertung. Wird ein unabhängiger Experte zur Bewertung beauftragt, versucht dieser, unabhängig von verschiedenen Interessen, den objektiven Wert zu ermitteln. Die Praxis zeigt, dass nicht nur quantitative Informationen, sogenannte Hard Facts, sondern auch Soft Facts wie Sozialkapital, Wissensvermögen, Humanvermögen und die Unternehmenskultur, dabei von Bedeutung sind. Bewertung und Zukunftsprognosen In der Vergangenheit wurden Unternehmen vielfach auf Basis historischer Gewinne bewertet, später hielt das Substanzwertverfahren Einzug in die Unternehmensbewertung, welches durch das Ertragswertverfahren ergänzt wurde. Letzteres galt bei vielen bis in die 2000er Jahre als einziges akzeptiertes Standardverfahren für die Unternehmensbewertung. Beim Substanzwertverfahren wird ermittelt, welche finanziellen Mittel man benötigen würde, um das Unternehmen in der aktuellen Aufstellung neu aufzubauen. Dabei wird errechnet, welchen Wert Gebäude, Maschinen usw. nach Abzug der Schulden haben. Bei der Ertragswertmethode werden die bereinigten Ergebnisse der vergangenen Geschäftsjahre betrachtet und Prognosen für den Fortbestand des Unternehmens getätigt. Ergänzt wird dies um die Zinsen, welche sich der Käufer erwartet, um eine angemessene Rendite zu erhalten. Durch die Globalisierung der Unternehmen mit weltweiten Transaktionen etablierte sich auch das Discounted Cashflow-Verfahren und wird neben Obervintl · Tel. 0472/868140 · info@tyrolplast.it Regenwasser – perfekt für Haus und Garten Quellstube mit Schieberkammer Quellfassungsflügel Hawle Armaturen Inoxarbeiten Trinkwasserspeicher Sandabsetzbecken Wasserreservoir Bachfassung mit „Schweißspalt- Bogensieb“ für Kraftwerke

AKTUELL Nr. 6/2019 71 dem Ertragswertverfahren als Standard angewandt. Das Verfahren geht einen ähnlichen Weg wie das Ertragswertverfahren, berücksichtigt aber nicht die prognostizierten Gewinne, sondern die freien Cashflow’s, also die Zahlungsüberschüsse, als Berechnungsgrundlage. Zusatzinfos untermauern die Bewertungsgrundlagen Unabhängig von der Methode zur Ermittlung des Unternehmenswerts werden verschiedene qualitative Zusatzinformationen benötigt, um eine Bewertung durchzuführen. Nicht jedes Unternehmen hat ein Firmenvideo oder eine Pressemappe. Dennoch sollten ein zusammenfassendes Prospekt bzw. eine Imagebroschüre vorhanden sein, auch um eine Vorstellung der Unternehmensphilosophie zu erhalten. Führt ein Unternehmen ein sogenanntes „Weißbuch“ (white book), so kann dieses Auskunft geben und Daten liefern über Planzahlen und Bilanzen, Unternehmensstrategie, Markt und Wettbewerb, Organisation und Rechnungswesen, Technik und Produktion, relevante Verträge und Schutzrechte, Unternehmenskultur sowie Dienstund Arbeitsverhältnisse. Im Rahmen von Unternehmensanalysen können Unternehmen dabei die Gelegenheit nutzen und ihre Unterlagen für eine Unternehmensbewertung ergänzen – die Vorgehensweise ist dieselbe. Start-ups mit Variablen Die Bewertung von jungen Wachstumsunternehmen im Start-up-Bereich hingegen erweist sich in der Praxis als äußerst schwierig und ist geprägt von einer Vielzahl an unsicheren Variablen. Obgleich in vielen Fällen Multiplikatoren angewandt (z.B. ein Vielfaches des Umsatzes), ist es meist auch einfach, das „Bauchgefühl“ seitens der Investoren, welches am Ende des Tages in Zahlen ausgedrückt wird. Historische Fakten und Daten sind fast immer unzureichend vorhanden, Gewinne werden meist keine erzielt. Ein alternatives, von den Autoren entwickeltes Modell der Start-up-Bewertung, soll im Folgenden erstmals skizziert dargestellt werden: Der Bewertungsansatz weist eine Verknüpfung aus quantitativen und qualitativen Variablen auf und ist standardisiert und einfach in der frühen Lebensphase von Startups anwendbar. Dennoch soll der Risikogewichtung eines Investments genügend Platz eingeräumt werden. Die prognostizierten freien Zahlungsströme werden auf den heutigen Tag abgezinst und mit dem Ergebnis eines branchenspezifischen, modifizierten Multiplikators verrechnet. Der Abzinsungsfaktor der Zahlungsströme wird dabei je nach Alter des Start-ups mit 30 bis 50 Prozent angesetzt. Der berechnete Multiplikator wird dabei je nach persönlicher Einschätzung um 0 bis 10 Prozent für jeden der folgenden qualitativen Bewertungsbereiche gekürzt: Produkt, Team, Geschäftsmodell/ Wachstumspotenzial, Markt, Vertrieb, Wettbewerb, regulatorisches Umfeld und Kapitalintensität des Investments. Mit dieser Methode soll dem prognostizierten Businessplan, harten Marktfaktoren und der persönlichen Einschätzung des Investors in einer kombinierten Weise Rechnung getragen werden. Über die Autoren Florian Burger (Fachbereich Controlling & Accounting) und Philipp J. Gamper (Fachbereich Corporate Finance & Tax) sind selbstständige Unternehmensberater und Partner im Vinburg Consultancy Network. Professionelle Interdisziplinarität und zwischenmenschliche Beziehungen werden dabei in den Vordergrund gestellt. Mehr unter: www.vinburg.com v.l.: Philipp J. Gamper und Florian Burger WIR BAUEN ZUKUNFT Wolf System GmbH Industriezone 1, 39040 Freienfeld (BZ) T. 0472 064000 mail@wolfsystem.it WOLFSYSTEM.it WOLFHAUS.it Radius_Top100_2019__Wolf System_190x67mm.indd 1 05/08/2019 08:58:25

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