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Südtirol (er)leben 2015

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Dem Himmel so nah Die

Dem Himmel so nah Die Türen schließen, ein leichter Ruck und schon geht es los, lautlos dem Himmel entgegen. Was für ein schönes Gefühl. Schweben. Schaut man nach unten wird alles kleiner, die Farben lassen nach, wo eben noch ein geparktes Auto zu sehen war, ist jetzt nur mehr ein grauer Punkt. Nach oben hingegen öffnet sich der Horizont und die erhabenen Giganten rücken näher und näher. Grüne, blumengetupfte Matten und leuchtendgrauer Fels, spitze dunkle Wipfel. Das ist der Sommer. Weißgezuckerte Märchenwälder, Skipisten und unwegsame steile Hänge, die an den Himmel stoßen im Winter. Südtirol von seiner besten Seite. Wo Berge sind, möchte man hinauf. Nun ist es nicht jedermanns Sache hunderte von Höhenmetern zu Fuß zurückzulegen und Passstraßen vermitteln nicht unbedingt alpine Hochgefühle. Südtirol ist reich an Bergen, aber auch reich an Seilbahnen. Mehr oder weniger lang. Mehr oder wenig „hoch-tragend“. Nur auf tausend Meter wie beispielsweise die 1908 in Betrieb genommene Kohlerer Bahn in Bozen, nebenbei die älteste Personen-Schwebeseilbahn Europas oder von 2.000 auf 3.200 Meter wie die Gletscherbahn in Schnals. Ein Südtiroler hat Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts entscheidend zur Modernisierung der Seilbahn-Technik beigetragen. Luis Zuegg. Geboren 1876 bei Lana. Er hat die Festspanntechnik der Zwei-Seilpendelbahnen entwickelt. Profitiert hat von dieser Technik auch das Landschaftsbild! Die Seilbahn von Lana auf das Vigiljoch, die Zuegg 1912 in Eigenregie baute, brauchte noch 39 Stützen. Seit dem Umbau der Anlage 1953 sind es nur mehr vier. Die erste Seilbahn mit Zueggs neuer Technik wurde 1923 erbaut und führt von Meran nach Hafling. „Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht“ Zuegg hat außerdem das automatische Tragseilbremssystem entworfen und das Trag- und das Zugseil der Anlagen kurzerhand als Telefonverbindung genutzt, so dass die Kabinen fortan mit der Tal- und der Bergstation verbunden waren. Zwischen 1920 und 1925 hat der findige Diplom-Ingenieur sieben Patente angemeldet. Sein Motto: „Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht.“ Der Ingenieur aus Lana war nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich auf Draht und schloss mit dem seinerzeit größten Seilbahn-Bauunternehmen Europas Bleichert aus Leipzig einen Lizenzvertrag ab. Fünfunddreißig Seilbahnen entwarfen und bauten sie gemeinsam in aller Welt. Unter

aktuell 04/2015 5 Alte Vigiljoch-Bahn Gemälde der alten Kohlerer Seilbahn Die neue Rittner Seilbahn anderem: Österreichische Zugspitze 1926, Rax (Semmering) 1926, Pfänder (Bregenz) 1927, Trübsee (Schweiz) 1927, Krosso (Norwegen) 1928, Patscherkofel (Innsbruck) 1928, Tafelberg (Kapstadt, Südafrika) 1929, Montserrat (Spanien) 1930, Miramar (Barcelona) 1931, Bayrische Zugspitze 1931, Zakapone (Polen) 1931, Mont d’Arbrois (Frankreich) 1934. Ganz nebenbei wandelte Zuegg 1917 aufgrund von Rohstoffmangel seine um die Jahrhundertwende gegründete Braunpappenfabrik in eine Marmeladenfabrik um, die das Obst der Plantagen seiner Eltern verarbeitete. Der Grundstock für ein Erfolgsunternehmen, das noch heute hochwertige Marmeladen, Konfitüren und Säfte herstellt. 1947 der erste Schlepplift Aber zurück zu den Seilbahnen. Bis Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts dienten sie vornehmlich Kriegszwecken und der Materialbeförderung zu entlegenen Höfen. Der Fremdenverkehr steckte noch in den Kinderschuhen. Erst ab den 50er- Jahren entdeckte man die Seilbahnen als Touristenattraktion. Talstation Vigiljoch am Eröffnungstag

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