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Radius Wintersport 2019/20

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36 SPORT C

36 SPORT C 2019 Snowboard Roland Fischnaller Mit 39 hat man noch Träume Sie sorgen dafür, dass Roland Fischnaller und Teamkollegen schnell sind: Von links Jacopo Brandini (Skiman), Cheftrainer Rudy Galli, Matteo Artina (Physio), Roland Fischnaller, Rennsportleiter Cesare Pisoni und Alessio Amorth (Trainer). Eigentlich könnte er sich auf seiner Hofstelle in Villnöß um seine Kühe kümmern und hochwertiges Kalbfleisch verkaufen. Tut er auch. Aber nicht nur. Roland Fischnaller ist nach wie vor hauptberuflich Snowboardprofi. 39 Jahre jung ist Südtirols bester Snowboarder aller Zeiten, von Rücktrittsgedanken aber keine Spur. Im Gegenteil: „Ich bin aus Leib und Seele Snowboarder, Motivationsprobleme kenne ich nicht. Ich setze mir Ziele, bin ein Wettkampftyp. Ich fighte gerne mit den Burschen aus meiner Mannschaft, aber auch all den anderen herum. Und wenn ich dann schneller bin, fühlt es sich großartig an.“ Bei Fischnallers Weltcup-Debüt am 1. März 1997 war sein Teamkollege Daniele Bagozza nicht einmal 2 Jahre alt, „I Believe I can Fly“ von R. Kelly war der Hit des Jahres, Mutter Teresa starb mit 87 Jahren, die englische Prinzessin Lady Diana kam bei einem Verkehrsunfall in Paris ums Leben und Borussia Dortmund gewann dank eines 3:1-Sieges gegen Juventus Turin die Champions League. Seither ist eine Menge Wasser den Villnösser Bach hinunter gerauscht, nur eines ist geblieben: Roland Fischnaller ist noch immer Snowboard-Weltcupfahrer. 204 Rennen hat er bestritten, 15 gewonnen, weitere 21 Mal stieg er auf’s Podest. Dazu kommen 5 WM-Medaillen (1 Gold, 2 Silber, 2 Bronze). Obwohl: Fischnaller ist keiner, der gerne über die Vergangenheit spricht. Was war, das war. „Über vergangene Zeiten zu reden, hat immer einen resignierenden Beigeschmack. Ich bin der Typ, der nach vorne schaut, der neue Ziele in Angriff nimmt.“ Und trotzdem fangen Fischnallers Augen an zu leuchten, wenn er erzählt, wie seine Lebensgefährtin Elisabeth die Garage mit seinen tollsten Trophäen dekoriert hat. „Aus jeder Saison hat sie die Highlights herausgepickt und mit Pokalen, Medaillen und Startnummern perfekt platziert. Da stellt es einem schon die Gänsehaut auf.“ Was in der Sammlung noch fehlt, ist außer einer Olympiamedaille die große Kristallkugel. 3 Slalom-Kugeln hat er schon (2013, 2016, 2018), in der Gesamtwertung wurde er 5 Mal Zweiter (2012, 2013, 2015, 2016, 2018). Wobei diese Platzierungen für den Villnösser mit Wohnsitz in Vilpian ohnehin wertvoller sind als Edelmetall: „Wer am Ende einer Saison so weit vorne ist, ist über 5 Monate konstant gut. Bei Olympia oder einer WM ist die Tagesform und das nötige Glück entscheidend.“ In der letzten Saison war das Team der „Azzurri“ im Weltcup das Maß aller Dinge: Neben „Fisch“ gewannen Edwin Coratti, Daniele Bagozza und Nadya Ochner Weltcuprennen, Aaron March fuhr regelmäßig unter die Top 8. Trotzdem hat überrascht, dass im Sommer ein Trainerwechsel vorgenommen wurde. Cheftrainer Meinhard Erlacher (er trainiert jetzt die Deutschen) und Hannes Mutschlechner (er wechselte zu Kanada) sind nicht mehr dabei. Neuer Cheftrainer ist Rudy Galli aus Livigno, Alessio Amorth aus dem Trentino ist Co-Trainer. Fischnaller: „Es weht ein neuer Wind, wir trainieren qualitativ top, imitieren sehr oft den Rennablauf, das heißt wir fahren in parallelen Läufen. Natürlich bedeutet das einen organisatorischen Mehraufwand, kommt uns aber sicher zugute“, ist er überzeugt. Vor der Konkurrenz – auch und vor allem aus dem eigenen Lager – fürchtet sich Fischnaller nicht. „Natürlich, die Jungen stehen voll im Saft. Ich hingegen muss mit meinem Körper haushalten, mache beim Trockentraining unter Berni Thaler spezielle Übungen, um meine Gelenke und Muskeln zu scho- Snowboard-Profi und Viehbauer: Roland Fischnaller.

Snowboard SPORT C 2019 37 nen, damit sich ja nichts entzündet. Fakt ist aber, dass ich viel Erfahrung habe, mich auf jede Situation mental perfekt einstellen kann. Das macht es für meine Konkurrenten nicht leicht.“ Roland Fischnallers zweite Leidenschaft ist der eigene Bauernhof im heimischen Villnöß. 4 Kühe nennt er sein eigen, und dabei hat er sich nicht auf die Milchproduktion spezialisiert, sondern auf die Erzeugung hochqualitativen Kalbfleisches. „Kraftfuttermittel gibt es bei mir nicht, nur das bestmögliche Almgras. Bio ist für mich die einzig gute und vermarktbare Möglichkeit. Meine Kälber führen ein glückliches Leben auf den Bergwiesen und im Stall.“ Dazu kommt, dass er nach der Stallarbeit in der Früh direkt zum Training in die umliegenden Wiesen und Wälder gehen kann. „Wenn ich eine Wiese per Hand mähe, dann ist das mindestens gleich anstrengend, wie wenn ich in der Kraftkammer Gewichte stemme“, schwärmt er. Und weiter: „Wenn ich auf meinem Bauernhof bin und dann auch noch meine Kinder Maria (8), Heidi (4) und Florian (3) herumtollen, dann ist das Snowboarden ganz weit weg. Umso ausgeruhter und im Kopf stärker komme ich dann wieder zum nächsten Training.“ Zumal Fischnaller seinen Kindern die Liebe zur Natur bereits vererbt hat. „Einen Sonntag vor dem Fernseher oder in einem Einkaufszentrum verbringen – das kommt bei uns nicht in Frage.“ ROLAND FISCHNALLER Geburtsdatum und -ort: 19. September 1980 in Brixen Wohnort: Vilpian/Coll im Villnößtal Sportgruppe: Heer Weltcupstarts: Anderson ist die Nummer 1 Starts Name Land Siege Top 3 264 246 215 204 203 188 183 174 160 159 Jasey Jay Anderson Andreas Prommegger Daniel Biveson Roland Fischnaller Stefan Kaltschütz Sylvain Dufour Richard Rikardsson Dejan Kosir Markus Ebner Mathieu Bozzetto weitere Auswahl (nur Südtiroler): 131 122 119 99 95 91 78 68 62 60 60 Walter Feichter Aaron March Meinhard Erlacher Elmar Messner Thomas Prugger Emanuel Perathoner Christoph Mick Peter Pichler Omar Visintin Edwin Coratti Karl Frenademez noch aktiv Kanada Österreich Schweden Villnöß Österreich Frankreich Schweden Slowenien Deutschland Frankreich St. Vigil i. E. Schabs St. Vigil i. E. Rasen Antholz Olang Lajen Karerpass Schnals Algund Langtaufers St. Kassian 28 17 4 15 11 4 4 11 3 35 1 1 0 4 0 1 2 0 4 2 2 63 42 18 36 33 10 21 24 13 66 5 11 2 9 4 4 3 9 12 7 9 NATIONALTEAM SNOWBOARD PARALLEL Gruppe A, Damen: Nadya Ochner (Burgstall). Herren: Daniele Bagozza (St. Ulrich in Gröden), Maurizio Bormolini, Edwin Coratti (Pleif in Langtaufers), Mirko Felicetti, Roland Fischnaller (Coll in Villnöß), Aaron March (Völs am Schlern) Gruppe B, Damen: Elisa Caffont, Jasmin Coratti (Pleif in Langtaufers), Lucia Dalmasso, Giulia Gaspari, Alice Lombardi, Aline Moroder, Sindy Schmalzl (beide St. Ulrich in Gröden). Herren: Marc Hofer (Saltaus in Passeier), Gabriel Messner (St. Magdalena in Villnöß) Nachwuchs, Damen: Isabel Chiara Murer Nachwuchs, Herren: Fabian Lantschner (Bozen), Michele Vaschetto SNOWBOARDCROSS Gruppe A, Damen: Raffaella Brutto, Francesca Gallina, Michela Moioli Herren: Emanuel Perathoner (Lajen), Lorenzo Sommariva, Omar Visintin (Algund) Gruppe B, Damen: Caterina Carpano, Ester Gross. Herren: Thomas Belingheri, Alessandro Canalia, Devin Castello Nachwuchs, Damen: Sofia Groblechner Herren: Alessandro Cannatá SLOPESTYLE SNOWBOARD Gruppe A, Herren: Loris Framarin, Emiliano Lauzi, Nicola Liviero, Alberto Maffei, Emil Zulian Gruppe B, Damen: Emma Gennero, Marilú Poluzzi. Herren: Leo Framarin, Elia Fuser, Francesco Tosi Sichtungsgruppe Damen: Matilde Pizzutto. Herren: Edoardo Giovannini, Marco Kerschhackl Ist auch mit 44 Jahren noch aktiv: Rekordhalter Jasey Jay Anderson (264 Starts). Ist der Südtiroler mit den meisten Weltcup-Starts: Roland Fischnaller (204). War 131 Mal im Weltcup- Einsatz: Der Enneberger Walter Feichter. Nachwuchs, Herren: Milco De Feo, Ian Matteoli -Infografik: M. Lemanski

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