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Radius Magazin Sommer 2019 Die Welt

54 Mai

54 Mai 2019 AKTUELL Heinz Leitner, Wirt der Zwickauer 100 Schutzhütten in Südtirol ... ... sind ein willkommener Ort der Rast und bieten den Bergwanderern neben Hüttenlager und guter Verpflegung oft auch Hilfe in der Not. Zum Teil unter schwierigen Bedingungen sorgen die Hüttenwirte für Schutz vor Unwettern, erste Hilfe und liefern Insider-Tipps für ein gelungenes Bergerlebnis. Als Hüttenwirt bist du in Personalunion Gastwirt, Handwerker, Chefkoch, Wetterfrosch, Beichtvater, Bergretter ... und im Idealfall wie Heinz Leitner auch noch Entertainer. Der Heinz ist seit zehn Jahren Wirt auf 2.989 über N. N.; die Zwickauer Hütte gehört zu den höchst gelegenen Schutzhütten Südtirols. Damals war es Neugierde, aber aus der zunächst geplanten dreimonatigen Auszeit wurde ein zweites Leben. es dann umgekehrt. „Im Herbst“, so Heinz Leitner, „gehe ich ungern in die Stadt zurück mit ihrer Hektik, ihrem verrückten Rhythmus, dem Lärm.“ Im Herbst ist er ein anderer, sieht er aus wie ein anderer, das Gesicht gebräunt, umrahmt von langen Haaren und einem Vollbart. Einen Besuch beim Friseur und einen Monat Zeit braucht er, um wieder anzukommen. Unten. Das andere Leben Anfang Juli schickt er sich an, die neunte Saison auf der Zwickauer Hütte als Hüttenwirt zu eröffnen – mit Blues, Dixiemusik und Überraschungsmenü. Kochen und Musik waren schon von jeher Leitners Hobbys; vorher war er 35 Jahre als Anlageberater und Marketingmanager tätig. „Aller Anfang ist schwer“, erzählt Heinz. Oben. Jedes Jahr ist das so. Mit dem Aufstieg auf die Hütte bleibt der Sommer im Tal, ebenso wie Freunde, Veranstaltungen, die Wärme, ja selbst die eigene Frau, die sich einen Sommer auf fast dreitausend Meter Höhe nicht zutraut. Kein Internet, eine schlechte Telefonverbindung, draußen Fels und Eis; 20 Zentimeter Neuschnee sind im Sommer keine Seltenheit. Am Ende der Saison, wenn die 60 Betten fassende Hütte für die Winterpause geschlossen wird, ist

HÜTTENWIRT DAS ANDERE LEBEN Mai 2019 55 Auf knapp 3.000 Meter gehört die Zwickauer Hütte zu den höchstgelegenen Schutzhütten Südtirols. Jeder Tag eine Herausforderung – feine Küche und Zwickauer Blues „Dort oben bist du in einer ganz anderen Welt, jeder Tag ist eine Herausforderung. Einmal gibt es kein Wasser, dann keinen Strom, oder du sitzt für eine Woche im Nebel, und vorbei kommt keiner.“ Bei Schönwetter beginnt der Tag auf der Hütte um 5 Uhr und endet nur selten mit der Hüttenruhe um 22 Uhr. Vor allem, wenn der Hüttenwirt so gut (Blues-)Gitarre spielen und singen kann. Heinz ist natürlich nicht alleine oben. Im Idealfall sind sie zu viert – auch damit an Tagen ohne Gäste die „Kartlerrunde“ garantiert ist – weitere zwei bis drei Personen können als Jolly gerufen werden, wenn z. B. im Hochsommer großer Andrang herrscht. Die Hütte ist berühmt für die kleine, aber feine Karte. Reinhold Messner hat die 1-A-Güte der „Fleischkrapflen“ sogar urkundlich belegt. Arbeit ohne Ende und auch Langeweile Die von 1896 bis 1899 von der Sektion Zwickau des DÖuAV als kleine Selbstversorgerhütte erbaute Schutzhütte liegt am Tiroler Höhenweg, der in Mayrhofen in Österreich startet und in Meran endet. Vier bis fünf Stunden Fußmarsch sind es bis hinauf. Oben angekommen, erwarten den Wanderer ein atemberaubendes Bergpanorama, eine der ursprünglichsten Schutzhütten und ein „heinzigartiger“ Wirt. Heinz Leitner ist ein Sonnenkind, ihn kennenlernen und mit ihm ein Glas Magdalener trinken und über Gott und die Welt reden, das allein lohnt schon den Aufstieg. Aber wenn es eine Woche stürmt, Grau in Grau und kalt ist, sodass sich der Hütte keine Menschenseele nähert, dann muss auch er gegen die Schwermut ankämpfen. Am 30. August steigt er hinab ins Tal. Jedes Jahr. Den Namenstag seiner Frau Rosi, den Hochzeitstag und ihren Geburtstag, alles in Reihenfolge bis zum 1. September, würde er nie verpassen. Heinzigartig eben! Heinz Leitner und Günther Noggler Das Wappenschild von Zwickau Zur Reisemesse in der Zwickauer Stadthalle war Heinz Leitner auch dieses Jahr präsent und wurde mit einer besonderen Ehrung überrascht. „Anlässlich des bevorstehenden Jubiläums ‚120 Jahre Zwickauer Hütte‘ hat sich der Vorstand des Vereins entschieden, das Wappenschild des Erzgebirgszweigvereins Zwickau an Heinz Leitner zu übergeben“, so Harald Lehnert, 1. Vorsitzender des Erzgebirgszweigvereins EZV. „Für das Wappen werde ich sicher einen gut sichtbaren Platz in der Hütte finden“, versprach der Hüttenwirt gerührt.

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