Aufrufe
vor 8 Jahren

Insert Wasserstoff 2011

  • Text
  • Wasserstoff
  • Technologie
  • Energie
  • Entwicklung
  • Bozen
  • Zukunft
  • Insert
  • Wasserstofftechnologie
  • Erneuerbaren
  • Brennerautobahn
  • Radius

Marlene Rinner W a s s e

Marlene Rinner W a s s e r s t o f f - t e c h n o l o g i e Frau und technik? Die promovierte Werkstoffingenieurin Marlene Rinner ist eine der vier Mitarbeiter im Institut für Innovative Technologien, IIT. Sie ist verantwortlich für den Bereich H -Mobilität. 2 nach zehn Jahren Berufserfahrung in der Automotive Zulieferindustrie, zunächst als Projektleiterin in der Vorentwicklung und später als Leiterin für Technik & Qualität, ist sie im Oktober 2010 zum IIT gewechselt. Die Entscheidung fiel ihr leicht: „Ich habe hier die Möglichkeit mit meinem bisher erworbenen Wissen, die Einführung einer innovativen und emissionsfreien Mobilität voranzutreiben.“ Sie ist also eine Frau, die zeigt, dass Technik und Wissenschaft im Berufsleben Spaß machen und begeistern. Radius: Was bringt eine Frau dazu, sich für einen noch vorwiegend von Männern ausgeübten Beruf wie Ingenieur zu entscheiden? M. Rinner: Für mich war das Interesse an Technik und Naturwissenschaften ausschlaggebend. Hinzu kommt noch eine gute Portion Neugierde, Funktionsweisen und Sachverhalte verstehen zu wollen, der sportliche Ehrgeiz sich an knifflige Aufgaben heranzuwagen und die Offenheit für Neues. Die Möglichkeit, im Beruf etwas kreativ zu gestalten und zum Besseren hin zu verändern, spielte auch mit hinein. Diese Möglichkeit ist aber nicht nur den technischen Berufen vorbehalten. Ich denke, dass meine Motivationen für die Berufswahl von denen meiner männlichen Berufskollegen nicht sonderlich abweichen. Radius: Sie haben in Trient studiert. Wie viele Kommilitoninnen hatten Sie? M. Rinner: In den 1990er Jahren belief sich der Frauenanteil an der Ingenieursfakultät von Trient bei ca. 10-15 %. Ich hoffe, es sind inzwischen mehr geworden. Radius: Was würden Sie jungen Frauen mit auf dem Weg geben, die sich für einen technischen Beruf, für einen Beruf in einer Männerdomäne, entscheiden? M. Rinner: Zunächst würde ich sie dazu anhalten, den eingeschlagenen Weg beharrlich zu gehen. Sie sollten sich ein souveränes Auftreten zulegen und zeigen, was sie können und was sie erreichen wollen. Für die berufliche Entwicklung kann ein Mentor bzw. eine Mentorin, also eine im Berufsfeld erfahrene Person, die ihr Wissen weitergibt, recht hilfreich sein. Also mein Rat, sucht euch frühzeitig jemanden, der euch beim Weiterkommen unterstützen und Tipps geben kann. Mut bei der Fällung von Entscheidungen und ein gewisses Durchsetzungsvermögen bzw. Ehrgeiz kann dabei nicht schaden. Sie sollten offen sein für Veränderungen, für Innovationen bzw. kontinuierliche Verbesserungen jeglicher Art. Selbstverständlich sollten sie den Stand der Dinge kennen und dem auch ein wenig voraus sein ... und vieles andere mehr. Nicht zu vernachlässigen ist, dass sie mit Menschen zusammenarbeiten. Eine Brise Diplomatie und Psychologie ist daher recht hilfreich in der Umsetzung von Projekten und in der Ausführung von Aufgaben. Diese Ratschläge sind jetzt aber nicht unbedingt frauenspezifisch und zielen nicht speziell auf technische Berufe ab. Ich könnte sie auch männlichen Berufseinsteigern geben. Was ich Frauen aber nahe legen möchte, ist die Tatsache, dass sie in technischen Berufsfeldern häufig anfangs, entweder beim Berufseinstieg oder beim Unternehmenswechsel, noch ein wenig mehr beweisen müssen als ihre männlichen Kollegen. Dafür wird es mit der Zeit keine Veranlassung mehr geben, wenn sich mehr Frauen auf die „Technik“ einlassen. Radius: Am IIT sind Sie in der Minderzahl. Haben Sie das Gefühl, dass Sie neben Ihrer Professionalität auch Din- ge ins Team einbringen können, die mit Ihrem Frausein zu tun haben? M. Rinner: Was heißt Frausein? Die üblichen Klischees, wie Empathie, Mitgefühl, Kommunikation etc? Neben der Professionalität und den Kompetenzen bringt jeder der Mitarbeiter natürlich seine Persönlichkeit mit ins Team. Frau- oder Mannsein spielt bei uns keine Rolle. Die Beiträge, die ich bisher im Team geleistet habe, basieren zum Großteil auf meinen bisherigen Erfahrungen, meinen Kompetenzen und meinen Interessen. Hat also nichts mit dem Geschlecht zu tun, sondern mit der Person. Mir werden im IIT herausfordernde neue Aufgaben übertragen, wie zum Beispiel die Organisation der internationalen Fachtagung „Energie aus der Zelle“, welche am 16.06.2011 in Bozen zum Thema „Stationäre Anwendung von Brennstoffzellen“ abgehalten wurde. Die dabei gesammelte Erfahrung war positiv und bereichernd. Radius: Glauben Sie, dass bei der Entscheidung Sie ins Team zu holen, auch die Tatsache, dass Sie ein Frau sind, eine Rolle gespielt hat. Nach dem Motto: eine moderne Technologie und Chancengleichheit? M. Rinner: Bei der Personalentscheidung sollte das Geschlecht der Bewerber überhaupt keine Rolle mehr spielen, sondern die Kompetenzen und das Engagement und wie gut die Person ins Team oder in die Organisation passt. Was meine Einstellung beim IIT anbelangt, bin ich überzeugt, dass Quote oder Chancengleichheit überhaupt nicht von Relevanz waren. Ausschlaggebend waren meine bisherigen Erfahrungen im Automotive- Bereich, insbesondere im Projektmanagement und in der Vorentwicklung, wo es in der Hauptsache um die Entwicklung innovativer Produkte und Verfahren ging. Als Beispiel kann ich die Entwicklung von Produkten für das Kühlsystem von Brennstoffzellenfahrzeugen anführen. Radius: Was fasziniert Sie an der Wasserstofftechnologie? M. Rinner: Vieles. Das Prinzip, aus Wasserstoff Energie zu gewinnen, ist eigentlich schon lange bekannt. Die technologische Umsetzung und Anwendung in größerem Umfang hat erst in den 1990er eingesetzt. Die Wasserstofftechnologie, basierend auf der Verwendung von Brennstoffzellen als Energiewandler, hat ein großes Potential, in allen Bereichen unseres Lebens, wo Energie in Form Leicht, klein, einfach und vor allem überall vorhanden, geruchlos und nicht giftig. Diese Eigenschaften machen Wasserstoff zum idealen Treibstoff der Zukunft. Wasserstoff ist das leichteste und einfachste chemische Element, etwa 14 mal leichter als Luft. Daher eignet es sich auch als Füllgas für Luftballons oder Luftschiffe. In der Natur kommt Wasserstoff als gasförmiges Doppelatom, als H , vor und 2 nur in ganz geringen Konzentrationen. Wasserstoff ist das neunt-häufigste Element auf der Erde, es macht 0,12 Gewichtsprozente unseres gesamten Planeten aus, aber 2,9 % des Gewichts der Erdkruste und ist Bestandteil aller organischen Verbindungen auf der Erde. Es ist das häu- W a s s e r s t o f f - t e c h n o l o g i e von Strom oder Wärme benötigt wird, Einzug zu halten. Faszinierend dabei ist, wie mit Hilfe von Innovationen in der Werkstoff- und Verfahrensentwicklung kontinuierlich die Lebensdauer dieser Energiewandler verlängert, ihre Leistungsdichte erhöht und ihre Dimensionen reduziert werden. Die Erforschung des Effekts von Wasserstoffbeimengungen auf die Reduzierung von schädlichen Was ist eigentlich Wasserstoff? figste Element des Sonnensystems, mit ca. 75 % der gesamten Masse, aber 93 % aller Atome. h 2 O der unerschöpfliche Rohstoff für die herstellung von h 2 Wasserstoff ist leicht brennbar, hat keinen Geruch und keinen Geschmack, ist nicht giftig. Bei der Verbrennung nimmt Wasserstoff den Sauerstoff der Luft auf und formt dabei das Molekül H 2 O, Wasser. Die Herstellung von Wasserstoff erfolgt in Südtirol durch elektrolytische Spaltung des Wassermoleküls mit erneuerbarem Strom. Dieser und Wasser stellen einerseits den unerschöpflichen Rohstoff für Wasserstoff, Wasser ist aber gleichzeitig auch wieder das Endprodukt bei der Verbrennung und so schließt sich der Kreislauf. Emissionsgasen bei herkömmlichen Treibstoffen steht noch am Anfang. Ohne Zweifel ist für mich die Wasserstofftechnologie und ihre Anwendung ein sehr spannendes Betätigungsfeld. Radius: Wie sehen Sie Ihre jetzige Tätigkeit im Vergleich zu den Aufgaben, die Sie an Ihren vorherigen Arbeitsstellen ausgeübt haben? M. Rinner: Einiges ist vergleichbar, wie das Projektmanagement und die Schnittstellenarbeit mit Unternehmen. Neu hingegen ist die Zusammenarbeit mit öffentlichen Körperschaften auf lokaler und europäischer Ebene. Diese Tätigkeiten erfordern andere Vorgehensweisen und Strategien als in Unternehmen, die sich auf dem freien Markt behaupten müssen. Das IIT ist relativ jung. Ich sehe darin gute Voraussetzungen, meine Ideen und Vorstellungen für die Weiterentwicklung des Instituts einbringen zu können. Radius: Welches Auto fahren Sie? M. Rinner: Für meinen Weg zur Arbeit verwende ich die Öffis. Privat fahre ich leider noch kein emissionsfreies Auto, aber ein schnelles, das wenig verbraucht. 6 Insert 2011 Insert 2011 7

© 2017 Weinbergweg 7 | 39100 Bozen | MwSt.-Nr.: IT00853870210 | Tel. 0471 081 561 | Fax 0471 081 569 | info@mediaradius.it