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Alpine Technologien 2021

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48 AKTUELL Fragen an die

48 AKTUELL Fragen an die Experten Die Radius-Themenausgaben informieren und vermitteln zeitgemäßes Wissen in kompakter Form. In dieser Rubrik beantworten unsere Experten aktuelle Fragestellungen. In dieser Ausgabe werden zu den Themen „Simulationsmodelle zur Unternehmenssteuerung“ und „Prozesse der Nachhaltigkeitsentwicklung“ in Wintersport-Destinationen spezielle Detailfragen geklärt. Sophia W., Bruneck: Aktuell steuern wir auf die zweite kritische Wintersaison zu, und als Dienstleister für die Liftbetreiber wissen wir inzwischen nicht mehr so recht, wie wir uns zu verhalten haben, um eine Zukunft zu sichern. An wen sollten wir uns orientieren? Florian Burger: In dieser Zeit der anhaltenden Unsicherheit führt an einer Simulation und Szenarien-Modellierung im Rahmen der Unternehmenssteuerung kein Weg mehr vorbei. Viele Unternehmen verwenden aktuell nur behelfsmäßige Simulationsmodelle, die grob und häufig nicht integrierte Effekte auf die Ergebnisrechnung abbilden. Zu Beginn sollte als Ausgangspunkt ein einfaches, aber konsistentes Basismodell erstellt werden, welches dann mit zunehmendem Reifegrad über mehrere Stufen ausgebaut wird. Die erste Stufe besteht aus drei Komponenten, dem Base Case, welcher mittels eines Treibermodells weiterentwickelt und mittels dazugehörigen Maßnahmen ergänzt wird, woraus sich dann ein Szenario ableiten lässt. Durch Verändern der Treiber und den verschiedenen Kombinationen aus Maßnahmen ergeben sich dann unterschiedliche Szenarien. Der Fokus muss auf der Anpassung der Treiberwerte sowie der Erzeugung der Maßnahmenpakete liegen. Dazu braucht es einen möglichst schlanken Base Case durch die Verwendung eines existierenden Forecasts oder einer bereits erstellten Planung. Operative Parameter aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen sollen für das Treibermodell zur Weiterentwicklung integriert und in finanzielle Größen übersetzt werden. Zusammen mit den Maßnahmen ergibt sich schlussendlich ein Szenario. Die Maßnahmen sollten dabei in Form von Business Cases mit den operativen und finanziellen Auswirkungen auf die relevanten Treiber vorliegen. Auf diese Weise lassen sich die Maßnahmen nach Belieben dazuschalten und sind mit dem Treibermodell verknüpft. Der wesentliche Nutzen der Szenario- Modellierung dient zur Simulation verschiedener zukünftiger Entwicklungen unter Unsicherheit. Ist die erste Stufe der Implementierung erfolgt und die Basis geschaffen, wird die Qualität der Szenarien weiter erhöht, indem man eine quantitative Risikokomponente berücksichtigt. Aus „zufälligen“ Störungen resultieren Risiken und Chancen, welche durch die Volatilität der Zukunft hervorgerufen werden (VUCA-Welt). Die Unsicherheit wird durch eine Abweichung von einem geplanten Zielwert dargestellt. Daher können Risiken und Chancen als Streuung um einen simulierten Erwartungswert modelliert werden. Wie wird die qualitative Modellierung von Risiken durchgeführt? Anfangs müssen strategische und operative Risiken und Chancen identifiziert werden. Informationen werden aus unterschiedlichen Daten gesammelt. Daten können interne Dokumente aus der Vergangenheit sein, welche Risikofälle dokumentiert haben, oder es können externe Schadensdatenbanken vorliegen. Die Datenqualität ist bei der Modellierung jedoch essenziell. Nun werden die Risiken auf dieser Basis der gesammelten Informationen, stochastischer Verteilungsfunktionen beschrieben. Die Art des Risikos ist für die Wahl der entsprechenden Verteilerfunktion ausschlaggebend. Ihre Auswirkung auf die im Simulationsmodell verwendeten Treiber wird festgelegt. Im nächsten Schritt erfolgt die Risikosimulation. Um eine Korrelation abzubilden, werden Treibermodell und Risiken verknüpft und Abhängigkeiten abgebildet. Auf diese Weise wird eine detaillierte Analyse ermöglicht, um die Auswirkung eines Szenarios auf die Unternehmensentwicklung zu verdeutlichen. Die Risikoanalyse unterstützt die Entscheidungsfindung, und das Risikomanagement wird mit der Unternehmenssteuerung gekoppelt. Die Berücksichtigung von Wahrscheinlichkeiten kann ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur systematischen Berücksichtigung von Risiken sein. Walter S.: Ich bin Hotelier und habe schon immer auf die Qualität und Innovation von Dienstleistungen geachtet. Wir befinden uns kurz vor der Wintersaison, und ich frage mich, wie sich der Schneetourismus weiterentwickeln kann und was ich ganz konkret tun kann, um Ziele der Nachhaltigkeit zu erreichen.

FRAGEN AN DIE EXPERTEN 49 Paolo Agnelli: De facto sind bereits einschneidende Entwicklungen im Gange und dies sowohl aus der Sicht der diversen Betreiber, die im Tourismus tätig sind, als auch aus Sicht der Touristen. Wintergäste sind nicht mehr nur Skifahrer. Immer mehr Menschen zieht es im Winter in die Berge, um sich zu erholen, die verschneiten Landschaften zu genießen, sich zu bewegen oder einfach nur in der Natur zu sein. Fakt ist auch, dass immer mehr Touristen inzwischen die Zerbrechlichkeit des Ökosystems in den Bergen erkannt haben und mehr auf Nachhaltigkeit achten. Sie bevorzugen Einrichtungen und Destinationen, die sich dem Schutz der Natur und einer authentischen nachhaltigen Entwicklung verschrieben haben. Diverse Akteure in den Dolomiten haben beschlossen, Verantwortung zu übernehmen und über die Umsetzung konkreter Nachhaltigkeitsprojekte Vorbild zu sein. Bereits abgeschlossene und laufende Projekte betreffen beispielsweise die Förderung regionaler Kreisläufe, den Einsatz von Mehrweg-Trinkflaschen, um das Plastikmüllproblem zu bekämpfen, die Optimierung der Wasserbewirtschaftung für die Beschneiung, die Lärmreduzierung und die Verbesserung des Angebots der öffentlichen Verkehrsmittel und der Bergbahnen, um Verkehrsberuhigungen umzusetzen. Auch das Engagement einzelner Liftbetreiber wächst konstant. Beispielsweise können Projekte, die hier ins Leben gerufen werden, sich im Idealfall auch zu destinationsübergreifenden Aktionen mit Beteiligung der diversen Interessengruppen entwickeln. Die Bündelung der Kräfte und partizipative Prozesse sind entscheidend, um eine nachhaltige DNA zu schaffen und um große Ziele zu erreichen. Wenn Sie danach fragen, was Sie als Unternehmer tun können, will vorab gesagt sein: Nachhaltigkeit ist ein Prozess, nicht ein Ziel. Es geht darum, einen positiven Prozess in Gang zu setzen, der sehr wohl darauf abzielt, die Umwelt zu schützen und soziale Aspekte zu beachten, aber auch operativ dazu führt, z. B. Kosten und den Verbrauch zu überwachen, die Qualität zu steigern und sich auf die betrieblichen Anforderungen vorzubereiten, welche durch die soziale und ökologische Transition auf die Unternehmen zukommen wird. Es gibt strukturierte Prozesse, um die Die Experten Entwicklung und Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien von Destinationen sowie einzelner Unternehmen, die in der Tourismuswirtschaft tätig sind, zu unterstützen. Der erste Schritt besteht darin, die eigenen ökologischen und sozialen Auswirkungen zu messen. Wie gehe ich mit den Ressourcen um? Wie viele Emissionen verursacht mein Unternehmen? Welchen sozialen Beitrag leiste ich? Wie ist meine Performance im Vergleich zu den anderen Akteuren meiner Branche? Der zweite Schritt ist die Nachhaltigkeitszertifizierung, mit der bescheinigt wird, dass das Unternehmen eine gründliche Analyse durchgeführt hat, um die eigenen Geschäftsprozesse zu verbessern. Es gibt verschiedene Zertifizierungen auf dem Markt, aber entscheidend ist, dass Sie Ihr Unternehmen im Sinne der ganzheitlichen Nachhaltigkeit auf gesunde und widerstandsfähige Weise weiterentwickeln. Florian Burger, selbstständiger Controller und Inhaber des Büros Doppik mit Sitz in Kiens, und Paolo Agnelli, Nachhaltigkeitsexperte und Landesleiter des Terra Institute mit Sitz in Brixen. Sie arbeiten auf Projektebene interdisziplinär mit Vinburg Projects Florian Burger Paolo Agnelli zusammen – der Südtiroler Unternehmensberatung mit Spezialisierung in den Bereichen Unternehmens- und Projektentwicklung, Tourismusmanagement, Vertriebscoaching und Projektmanagement. Vorausdenker mit Weitblick. Mehr unter www.vinburg.com.

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