Aufrufe
vor 2 Monaten

Alpine Technologien 2020

  • Text
  • Rienz
  • Glasbau
  • Metallbau
  • Stahlbau
  • Huette
  • Hangsicherung
  • Lawinenverbauung
  • Karerpass
  • Materialbahn
  • Seilbahn
  • Foto
  • Kronplatz
  • Meter
  • Bozen
  • Bergstation
  • Unternehmen
  • Skigebiet
  • Projekt
  • Olang
  • Planung

12 „Es war ein ganz

12 „Es war ein ganz besonderes Abenteuer … … noch größer als ich es mir vorgestellt habe, und zwar für alle Beteiligten“, so Architekt Werner Tscholl über seinen ersten Auftrag im Bereich der Seilbahnen. Radius: Haben Sie sich bisher mit Seilbahnprojekten beschäftigt. Wie ist die Vorgeschichte zu diesem Auftrag? Werner Tscholl: Das liegt schon Jahre zurück und betrifft die alpinen Skulpturen an der Timmelsjochstraße;; mein erste Erfahrung in diesen Bereich. Maria Gufler aus Passeier, die Frau von Florian Eisath, war damals Gemeindereferentin in Moos und begleitete dieses Projekt. Als ich von ihr zum König-Laurin-Projekt kontaktiert wurde, war ich sofort Feuer und Flamme dafür. Radius: Was hat sie daran am meisten begeistert? W. Tscholl: Im diesem hochalpinen Umfeld, wo jede Spitze, jeder Turm mit einem Mythos behaftet ist, im sagenumwobenen Reich von König Laurin, mit den unterirdischen Glaspalästen, tätig zu sein, das war eine neue Dimension. Die Dolomitensagen samt der König-Laurin-Sage kannte ich natürlich, aber nach der ersten Besichtigung als Architekt sieht man dieses Reich dann mit ganz anderen Augen. Werner Tscholl, Architekt Radius: Wie war die Zusammenarbeit mit Doppelmayr und der Baufirma Zelger? W. Tscholl: Die technischen Vorgaben waren seitens der Firma Doppelmayr ohnehin gegeben. Die Baufirma Zelger, mit der bautechnischen Seite der unterirdischen Bergstation, war da schon mehr gefordert. Radius: Gab es im Laufe der Bauarbeiten und dem extremen Umfeld Änderungen? W. Tscholl: Vom Gesamtkonzept gab es keine Änderungen, allerdings gab es situationsbedingte Änderungen, denn der Berg hat uns einigen Wiederstand entgegengebracht; der Fels war nicht so perfekt wie wir angenommen hatten. Dazu die extremen Wetterbedingungen des heurigen Sommers, sie machten das Ganze unglaublich schwierig – speziell für die Baufirma eine Riesenherausforderung. Radius: Wie oft sind Sie als Bauleiter auf der Baustelle? W. Tscholl: Einmal pro Woche, und wenn es mich zusätzlich braucht, auch öfter. Mein Stellvertreter, Baumeister Albert Zelger, und Vorarbeiter Thomas Pichler kennen auch jedes Detail. Radius: Der Familie Eisath, so nehme ich an, war bewusst, dass Werner Tscholl etwas ganz Besonderes planen würde? W. Tscholl: Für mich war es von vornherein klar, in diese großartige Bergwelt kein architektonisches Denkmal zu setzten, sondern mich dem Mythos des Zwergenreiches und der unterirdischen Paläste anzupassen, und demnach die Bergstation ebenfalls in den Berg hineinzubauen. Mit der Kölner Hütte und der König-Laurin-Lounge gab es ohnehin schon zwei Fremdkörper in diesem sensiblen Gelände. Radius: Wäre der Glasturm ein Fremdkörper gewesen? W. Tscholl: Architektur ist immer ein Fremdkörper, es geht darum, dass so was richtig gemacht wird, es geht um die Qualität. Auch die Kölner Hütte war in ihrer ursprünglichen Bauweise und Größe passend. Radius: Was imponiert Sie am meisten am ganzen Projekt? W. Tscholl: Das Gesamtkonzept inklusive der künftigen Pendelbahn von Tiers zur Frommeralm. Damit verbunden der enorme finanzielle und persönliche Einsatz der Latemar Karersee GmbH mit der Familie Eisath an der Spitze. Sie hätten es sich mit einer x-beliebigen Berg- und Talstation einfach machen können. Denn auch bei der Pendelbahn von Tiers herauf wird man nach Fertigstellung die Tal- und Bergstation oberirdisch vergeblich suchen. Wir nehmen uns von der Natur den Platz zum Bauen und geben ihn dann wieder zurück. Kein Denkmal, das sich ein Architekt setzt, sondern ein klares Understatement. Eine ganz neue Art als nachahmenswertes Beispiel im sensiblen, hochalpinen Bereich zu bauen, ohne eine nach außen sichtbare architektonische Handschrift zu hinterlassen. .elektroinstallationen .schaltschrankbau .ms-anlagen Erfahrung schafft Qualität Egeregg 4 Via Egeregg - 39050 Deutschnofen / Nova Ponente Tel. +39 0471 616677 Fax +39 0471 616154 www.gibitz.it - info@gibitz.it

13 Vom Skilift zur sanften Ganzjahresmobilität Florian Eisath bestritt im März 2018 in Aare sein letztes Weltcuprennen und beendete mit einem 10. Platz im Riesentorlauf seine Skikarriere, um sich fortan in Vollzeit um die Weiterentwicklung des Ganzjahresski- und -wandergebietes Carezza Dolomites zu kümmern. Zehn Jahre vorher, im Winter 2007/08 übernahm Florians Vater Georg Eisath die Latemar Karersee GmbH mit damals elf Liftanlagen und startete sogleich mit der Modernisierung der Anlagen unterm Rosengarten. Radius: Die erste Frage noch an den ehemaligen Rennläufer. Spitzensport ist eine harte Schule. Was war Ihr größter Erfolg, und was können Sie aus dieser Zeit mitnehmen? Florian Eisath: Der größte Erfolg war zweifellos der 3. Platz bei Weltcup Riesentorlauf 2016 auf der Gran Risa in Alta Badia. Was man aus dem Spitzensport mitnehmen kann – sich zu behaupten, konsequentes Handeln, Durchhaltevermögen und die Freude auf jede neue Herausforderung. Radius: Mit welcher Motivation sind Sie in ihre neue Aufgabe als Bergbahnunternehmer gestartet? F. Eisath: Die Motivation war und ist einer historisch sehr beliebten Destination und den nächstgelegenen Punkt in den Dolomiten, von der Landeshauptstadt Bozen aus gesehen, wieder zum ursprünglichen Glanz zu verhelfen. Den nicht so einfachen Weg, welchen mein Vater vor zehn Jahren begonnen hat, mit Energie und Elan fortzuführen und dabei zukunftsweisende Akzente zu setzen: so wie aktuell mit dem Bau der beiden König-Laurin-Bahnen und der Verlängerung des Sesselliftes Tschein. 50 Jahre nach der ersten Bahnverbindung zur Kölner Hütte sind die neuen Bahnen nicht nur ein klassischer Lift, sondern eröffnen ein neues Kapitel eines sanften Tourismus unterm Rosengarten. Radius: Sanfter Tourismus, wie können wir das verstehen? F. Eisath: Durch die neu entstehende Mittelstation am Tscheiner Berg und die Inbetriebnahme des Sesselliftes Tschein auch im Sommer kann man künftig von Welschnofen aus in kürzester Zeit zu Fuß und mit den Bahnen den Karer See erreichen, zur Kölner Hütte aufsteigen, weiter zur Paolinahütte wandern und mit dem Paolinasessellift nach Karersee gelangen. Das gesamte Hochplateau unterm Rosengarten wird autofrei erlebbar gemacht. Auch für all jene, die gerne mit dem Mountainbike unterwegs sind, tun sich ganz neue Runden auf. Florian Eisath, Geschäftsführer Carezza Dolomites Radius: Konnten die Bauarbeiten plangemäß abgewickelt werden? F. Eisath: Aufgrund der Besonderheit des Projektes sind bei den beteiligten Firmen und Personen ungeahnte Kräfte frei geworden. Dafür möchte ich mich herzlichst bei allen bedanken. Die Voraussetzungen durch die Corona-Pandemie, der viele Regen im Sommer und der frühe Wintereinbruch im September haben die Arbeit speziell an der auf 2.337 Meter hohen Bergstation zu einer Mammutaufgabe gemacht. Das schöne Wetter im November ist uns schlussendlich noch entgegengekommen, sodass wir mit den neuen Anlagen pünktlich in Betrieb gehen können. Wir konnten weiters im heurigen Sommer fünf alte Lifte abtragen und somit die Modernisierung der Anlagen in Carezza Dolomites abschließen. In nur zwölf Jahren wurden nahezu alle Anlagen im Gebiet erneuert. Die König-Laurin-Bahnen mit „unsichtbarer“ Bergstation stellen die Krönung dieses Prozesses dar. Radius: Ein ganz besonderes, ein wahres „Leuchtturmprojekt“ für Südtirol … F. Eisath: Es ist eine große Herausforderung, die Modernisierung der Anlagen voranzutreiben, wohl wissend, dass wir in einem sensiblen Gebiet am Fuße des Rosengartens und Latemars operieren. Der Rosengarten ist einer der schönsten Dolomitenbergstöcke, von der Landeshauptstadt Bozen aus sichtbar und zählt zu einem der Symbolberge Südtirols. Es ist uns ein großes Anliegen, jede Entscheidung hinsichtlich der Nachhaltigkeitskriterien zu prüfen. Wir sind als erstes privat geführtes Bergbahnunternehmen dem Klimaneutralitätsbündnis 2025 beigetreten, weil wir uns der großen – auch sozialen – Verantwortung bewusst sind. Es gilt die Natur zu schützen, aber zeitgleich auch erlebbar zu machen, da viele Familien und Betriebe, welche am Berg arbeiten und leben, hier ihren Lebensunterhalt verdienen. Baustart im Mai 2020: Architekt Werner Tscholl (links) und Florian Eisath (rechts) verschaffen sich einen ersten Überblick über die Situation vor Ort an der Bergstation.

© 2017 Weinbergweg 7 | 39100 Bozen | MwSt.-Nr.: IT00853870210 | Tel. 0471 081 561 | Fax 0471 081 569 | info@mediaradius.it