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Urlaub in Südtirol 2014

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10 04/2014 aktuell aktuell 04/2014 11 Faszination am Waal Waale damals und heute: Vom klug durchdachten Bewässerungssystem zum attraktiven Wanderweg am Wasser. Südtirols Waalwege sind wertvolle Kulturgüter und ein Lehrbeispiel für den Erfindungsreichtum früherer Generationen. Wasser ist Leben, Schicksal und Kultur. Felder ohne Wasserzufuhr galten früher als ziemlich wertlos, aber durch den Bau der Waale und deren komplexe Vielseitigkeit zur künstlichen Bewässerung ist es gelungen, aus der Not eine Tugend zu machen. Im Jahre 1939 wurden alleine im Vinschgau 235 größere Waale mit einer Gesamtlänge von 600 Kilometern gezählt, die ungefähr 10.000 Hektar bewässerten. Doch etliche dieser liebevoll ausgeklügelten Methoden einer gezielten Wasserverteilung sind der heutigen, modernen Technik zum Opfer gefallen und leben nur noch in der Erinnerung älterer Menschen. Der Göflaner „Suppnwaal“: Unterwegs auf einem der ganz Unbekannten Nach Hinweisschildern oder Wegweisern wird der Wanderfreund oder Urlauber vergeblich Ausschau halten, ein Problem ist das aber nicht. Jeder waschechte Vinschger kennt den Weg vom „Huamatgampl“ hinter Göflan in der Gemeinde Schlanders, bis hin zum Kortscher Fischerteich. Etwas oberhalb gelegen, fast schon versteckt, verläuft der wasserführende, gut instand gesetzte Waal in Richtung Göflan. Das aufgelassene und größtenteils verfallene Wegstück führt von der Wasserfassung, weit hinter dem Fischerteich gelegen, in Richtung Laas. Dem naturverbundenen, ruhesuchenden Wanderer bietet der idyllische, in gemütlichem Auf und Ab verlaufende Naturweg, ausreichend Gelegenheit zum innehalten. Unter schattenspendenden, von Licht und Sonne durchfluteten, uralten Bäumen, schlängelt sich der Waal am Wald entlang. Nichts, außer dem Gezwitscher der Vögel, dem Wind, der sich seinen Weg durch die alten Baumwipfel bahnt und dem sanften Rauschen des Wassers, durchbricht die Stille. Zwei Bänke entlang des Waals laden zum verweilen ein, ehe sich der Weg vom Wasser abwendet um eine Schlucht zu umgehen. Wer dem Waal dennoch ein paar Meter folgt, kommt zu einem Wasserblech. Dahinter verschwindet der Waal vorrübergehend in einem künstlich angelegten Rohr, worin er die Schlucht überwindet. Früher geschah dies in den sogenannten „Koundln“, einem Lärchenstamm der in der Mitte ausgehöhlt wurde, um Wasser zu führen. Dem Gelände angepasst, transportierte der natürliche Wasserviadukt damals das wertvolle Nass entlang an unwegsamen Hängen, oder überwand steile Abgründe. Auf der anderen Seite angelangt, begleitet der offene Waal den Wanderer noch für geraume Zeit, eingebettet zwischen Wiesen und blühenden Obstbäumen, bis er seinem Weg, kurz oberhalb der ersten Häuser von Göflan, im Erdreich weiter folgt. In knapp zwei Stunden ist der mit wenigen Steigungen durchsetzte Waalund Wanderweg mühelos zu begehen. SEILBAHN ASCHBACH 522 ↗ 1.349m Direkt an der Rablander Haltestelle der Vinschgerbahn GEMEINDE ALGUND www.algund.eu Ab 1. April bis 1. November durchgehend in Betrieb von 8–12.30 und 13.30–19 Uhr. Tel. +39 0473 967198 Der Weg des Wassers Wer heute auf Südtirols Waalwegen unterwegs ist, lenkt sein Augenmerk nicht zwangsläufig auf die Hintergründe um die Entstehung dieser reizvollen Wege entlang des Wassers. Dabei ist es gerade die Besonderheit des Klimas, einerseits zu viel, andererseits zu wenig Wasser, die zur Entstehung dieses geregelten Bewässerungssystems beigetragen hat. Die genauen Anfänge der künstlichen Bewässerung sind wissenschaftlich noch wenig erforscht, die ersten gesicherten Daten stammen aus dem zwölften Jahrhundert. Wohlklingende, alte Begriffe wie „Gmain“, „Road“, „Wassern“ oder „Waaler“, sagen dem Wanderer von heute nicht wirklich viel. Auch die üppige Vegetation am Lebensraum Waal bleibt manchem auf den ersten Blick verborgen. Dem „Waaler“, der die tägliche Aufsicht über seinen Waal ausübt, ihn mindestens einmal am Tag komplett abgeht um Wasserstand und Schleusen zu kontrollieren, wird man nicht unbedingt begegnen. Obgleich dies beispielsweise am Latschander- und am Schnalswaal noch heute so getätigt wird. Zwar sind die beiden Pensionisten die dort ihren Dienst verrichten, im Gegensatz zu früher, versichert und angestellt. Aber die Tätigkeit, verlässlich und von Hand, ist dieselbe geblieben. Der „Waaler“ übernachtet noch immer täglich in seinem Waalerhüttl und betätigt die Waalerschelle, die ebenfalls noch in Betrieb ist. Auch die „Road“, einst Benennung von Wasserrechten, ist heute zwar ein fremder Klang, aber noch immer geläufig. Geblieben ist zum Teil noch der naturbelassene Fließverlauf des Wassers, obgleich die meisten Waale heute leider durch Druckrohrleitungen ersetzt wurden. Die Vegetation entlang der Waale ist üppig und von vielfältiger Natur. Seltene und gefährdete Schmetterlingsarten, bedrohte Lurche, Singvögel und Kleinsäuger sind in diesen Kleinbiotopen beheimatet. Wird ein Waal aufgelassen oder verrohrt, entsteht eine Versteppung. Bäume sterben ab, Tiere verlieren ihren Lebensraum, oder gehen in der Trockenheit ein. Um dem entgegen zu wirken ist man mancherorts dazu übergegangen, aufgelassene Waale zu reaktivieren und ein wenig Wasser einzukehren.

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