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Südtirol Magazin Sommer 2022 - WamS

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26 KLAUSEN Mai

26 KLAUSEN Mai 2022 AKTUELL Foto © Helmuth Rier Sommer in den Bergen Schwungvoll flitzt Herta über die Terrasse, in einer Hand einen Teller mit dampfenden Speckknödeln und in der anderen süße Bauernkrapfen, die sie uns auf den Tisch stellt. Fast andächtig nehmen wir den ersten Bissen und schweifen dabei den Blick auf die vor uns liegenden Dolomiten. Genau dieser Moment entlohnt für den schweißtreibenden Aufstieg. Ein Gefühl des Glücks überkommt uns. Am liebsten würden wir sitzen bleiben und die angenehmen Temperaturen und die Ruhe genießen. Doch langsam müssen wir den Rückweg antreten, allerdings nicht, ohne vorher einen Schnaps vom Hüttenwirt zu kosten. Am nächsten Tag lassen wir es etwas gemütlicher angehen und wandern zu einem der Weingüter rund um Klausen. Vom mineralisch-erdigen Sylvaner zum typischen Müller-Thurgau, vom echten Südtiroler Gewürztraminer zum feinen Riesling – jeder Wein hat einen einzigartigen Charakter. Nicht umsonst gehören die Eisacktaler Weißweine zu den besten Italiens. Zahlreiche Burgen und Schlösser Uns sind die zahlreichen Burgen und Ansitze der Gegend aufgefallen. Und neugierig, wie wir sind, machen wir doch gleich eine Führung in der ehemals fürstbischöflichen Sommerresidenz, Schloss Velthurns, im gleichnamigen Dorf Feldthurns, mit. Spannend, was man über die Relikte längst vergangener Zeit bis in die Gegenwart hin so erfährt. Untertage war in Villanders schon nachweislich ab Mitte des 12. Jahrhunderts einiges los. Und zwar wurde im Pfunderer Bergwerk oberhalb von Villanders Silber abgebaut. Heute kann man unter fachkundlicher Führung den Elisabeth- und Lorenzstollen besuchen. Den Nachmittag und Abend möchten wir mit Bummeln und Essen verbringen. Und wo macht man das besser als im Künstlerstädtchen Klausen? Wir kommen vorbei an herrschaftlichen Foto © IDM Südtirol/Alex Filz Häusern mit aufwändig gestalteten Fassaden und Erkern, die durch schmale Gassen getrennt sind und zu geheimnisvollen Ecken führen. Schicke Boutiquen und Geschäfte mit einem ausgewählten Sortiment laden zum Einkaufen ein. In den Gassen und Plätzen der Altstadt stellen Restaurants und Cafés Tische auf, und wir genießen neben Südtiroler Bauernkost und italienischer Küche das mittelalterliche Flair des Ortes. Das Pisa von Südtirol In Barbian, dem Dorf mit dem schiefen Turm, auch „Pisa von Südtirol“ genannt, erzählt man sich unterschiedlichste Geschichten über den mystischen Ort Dreikirchen. Das hat natürlich unser Interesse geweckt, und so machen wir uns vom Dorfzentrum aus über Blumenwiesen und durch dichten Wald auf den Weg dorthin. Wir kommen vorbei an den Barbianer Wasserfällen und staunen über die Kraft des herabstürzenden Wassers. Bald erreichen wir das lichte Plätzchen mit den drei ineinandergeschachtelten Kirchen, deren genauer Ursprung bis heute Rätsel aufgibt. Vom Tal durch die Weinberge übers Mittelgebirge bis hin zum Gipfel: In der Klausen, Barbian, Feldthurns, Villanders ist die Landschaft so vielseitig wie ihre Geschichte, Traditionen und Erlebnismöglichkeiten. Er ist so wunderbar, der Sommer in den Bergen! Weitere Informationen unter www.klausen.it Die Altstadtgassen laden zum Bummeln ein.

Das AKTUELL andere Leben Mai 2022 27 Heinz Leitner Ein Hüttenwirt erzählt: Heinz Leitner war zwölf Jahre lang Wirt auf 2.989 Meter über dem Meeresspiegel – Feine Küche und Zwickauer Blues. Vor zwölf Jahren war es Neugierde. „Drei Monate“, sagte sich Heinz Leitner, „Juli bis September, das ist ja keine Zeit.“ Mit Feuerwerk, Dixie-Musik und Überraschungsmenü eröffnete er im Juli 2010. Dr. Nicole Steiner Die 1896–1899 von der Sektion Zwickau des DÖAV als kleine Selbstversorgerhütte erbaute Schutzhütte liegt am Tiroler Höhenweg, der in Mayrhofen in Österreich startet und in Meran endet. Drei bis vier Stunden Fußmarsch sind es bis hinauf. Oben angekommen erwarten den Wanderer ein atemberaubendes Bergpanorama, eine der ursprünglichsten Schutzhütten. Kochen und Musik ... … waren schon von jeher Leitners Hobbys, aber bevor es ihn als Hüttenwirt auf 2.989 Meter über den Südrand des Planferners in den Ötztaler Alpen auf die Zwickauer Hütte verschlagen hat, war er 35 Jahre als Anlageberater und Marketingmanager tätig. Aus der zunächst dreimonatigen Auszeit wurde ein zweites Leben. Aller Anfang ist schwer, erzählt Heinz. Oben. Jedes Jahr ist das so. Mit dem Aufstieg auf die Hütte bleibt der Sommer im Tal, ebenso wie Freunde, Veranstaltungen, die Wärme, ja selbst die eigene Frau, die sich einen Sommer auf fast 3.000 Meter Höhe nicht zutraut. Schlechtes Internet, eine schlechte Telefonverbindung. Draußen Fels und Eis. Elf Grad ist die Durchschnittstemperatur, in der Nacht sinkt das Thermometer auf minus eins oder auch darunter. 20 Zentimetereter Schneefall sind im August keine Seltenheit. Am Ende der Saison, wenn die 60 Betten fassende Hütte für die Winterpause geschlossen wird, ist es dann umgekehrt. „Im Herbst“, so Heinz Leitner, „gehe ich ungern in die Stadt zurück mit ihrer Hektik, ihrem verrückten Rhythmus, dem Lärm.“ Im Herbst ist er ein anderer, sieht er aus wie ein anderer, das Gesicht umrahmt von langen Haaren und einem Vollbart. Einen Besuch beim Friseur und einen Monat Zeit braucht er, um wieder anzukommen. Unten. Jeder Tag eine Herausforderung „Dort oben bist du in eine ganz andere Welt geworfen. Jeder Tag eine Herausforderung. Einmal gibt es kein Wasser, dann ist die Photovoltaikanlage in Panne, und dann sitzt du für eine Woche im Nebel, und vorbeikommen tut keiner.“ Zaubern lernt man dort oben und noch anderes mehr. Viel arbeiten zum Beispiel. Der Tag auf der Hütte beginnt Heinz Leitner und Günther Nogler beim gemeinsamen Musizieren um 6 Uhr und endet nur selten mit der Hüttenruhe um 22 Uhr. Vor allem, wenn der Hüttenwirt so gut (Blues-)Gitarre spielen und singen kann wie Heinz. Tolle Erlebnisse von Mensch zu Mensch. Arbeit eigentlich immer. Aber mitunter auch Langeweile. Eine ganz andere, eine eigene Welt, die andere Prioritäten setzt. Und wenn der Sommer vorbei ist, dann ist es die Stadt, die mit einem Mal fremd ist. Heinz ist natürlich nicht alleine oben. Im Idealfall sind sie zu viert – auch damit an Tagen ohne Gäste die Wattrunde (ein Kartenspiel) garantiert ist –, weitere zwei bis drei Personen können als Jolly gerufen werden, wenn z.B. um Ferragosto großer Andrang herrscht. Seine Kochkünste hat Heinz Leitner, seit es „Ernst“ geworden ist mit seinem Hobby, verfeinert. Die Hütte ist berühmt für die kleine, aber feine Karte. Reinhold Messner hat die 1-A-Güte der „Fleischkrapflen“ sogar urkundlich belegt.

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