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Südtirol Magazin Sommer 2014 - Die Welt

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6 Mai

6 Mai 2014 aktuell themenbereich Mai 2014 7 „Wir fühlen uns hier einfach sauwohl!“ „Mandr s’isch Zeit“ Der Psychologe Hans-Dieter Hermann ist aus dem DFB- Team nicht wegzudenken. Offen erzählt er darüber, wie er zu seinem Beruf gekommen ist, was er gegen den Lagerkoller beim Trainingslager macht und was er von Südtirol wirklich denkt. Radius: Wie kommen Sie als Psychologe zum Spitzensport? Hans-Dieter Hermann: Ich habe als Ski- und Tennistrainer mein Studium finanziert und habe ohnehin immer Sport mit Leistungsanspruch betrieben. Bei einer Fortbildung als Student habe ich meinen späteren Chef – den Sportpsychologen Professor Eberspächer – kennengelernt und wusste: So etwas möchte ich auch einmal machen. Radius: Welchen Anteil hat psychologische Betreuung am Erfolg einer Mannschaft? H.D. Hermann: Die Psychologie spielt für den sportlichen Erfolg immer eine große Rolle, denn gewonnen wird auch im Kopf, z.B. durch Motivation, Konzentration und Teamspirit. Das kann im Laufe eines Turniers oder einer Saison schwanken. Hier kann man als Sportpsychologe einiges auf individueller Ebene, aber auch für das gesamte Team beitragen. Aber bitte fragen Sie mich nicht nach einer Prozentzahl. Das könnten Ihnen eher die Spieler oder die Trainer beantworten. Radius: Wann ist eine Fußball-Nationalmannschaft ideal auf eine Weltmeisterschaft vorbereitet? H.D. Hermann: Wenn alle gesund und fit sind, trotz und nach einer langen Saison. Wenn sie dann noch mit Vorfreude und großem Teamspirit Richtung Weltmeisterschaft blicken, dann sind das schon einmal ziemlich gute Bedingungen. Radius: Sind Sie der Faktor, der den gefürchteten „Lagerkoller“ verhindert? H.D. Hermann: Ich habe in meiner zehnjährigen Tätigkeit für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft noch nie einen Lagerkoller erlebt. Aber natürlich schauen wir im Vorfeld von Trainingslagern immer auch nach genügend Abwechslung für Geist und Seele. Bei dieser Thematik bringe ich mich besonders gern ein. Der Sportpsychologe Hans-Dieter Hermann betreut seit 2004 die deutschen Fußball-Nationalspieler Radius: Was muss ein Ort bieten, dass er sich für ein WM-Trainingslager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft eignet? H.D. Hermann: Na das, was wir in Südtirol vorfinden. Schon die Vorbereitung auf die WM 2010 war klasse. Tolles Hotel, anregende Landschaft, in der man auch etwas unternehmen kann – z.B. Mountainbiken, Raften, Klettern. Dazu gute Luft und stabiles, schönes Wetter. Und da das Interesse der Öffentlichkeit so groß ist, muss es leider auch sein, dass man sich zurückziehen kann, sonst hätten die Spieler und Trainer kaum eine ruhige Minute. Wenn dann noch das Trainingsgelände in Radnähe ist, kann man sehr gut arbeiten. Radius: Die deutsche Nationalmannschaft kommt inzwischen zum dritten Mal zur Vorbereitung nach Südtirol. Gibt es einen besonderen Grund dafür? Vielleicht sogar einen psychologischen? H.D. Hermann: Ich kann Ihnen für uns alle sagen: Wir fühlen uns in Südtirol einfach „sauwohl“. Und mit Manfred Call (Anm. d. Red.: Chef des Organisationskomitees DFB-Trainingslager Südtirol) haben wir einen wunderbaren Ansprechpartner, der auch schon 1990 dabei war. Radius: Welche ist Ihre schönste Erinnerung an das letzte Trainingslager in Südtirol? H.D. Hermann: Eine Slackline-Teambuildingseinheit mitten im Wald. Die Stimmung war ausgelassen, aber trotzdem fokussiert. Ab diesem Zeitpunkt war für mich aus psychologischer Sicht klar, dass wir eine starke, sich gegenseitig unterstützende Mannschaft haben, die in Südafrika alles geben wird. Radius: Was gefällt Ihnen an Südtirol besonders? H.D. Hermann: Vieles, aber ganz besonders: die Mentalität der Südtiroler. Radius: Können Sie unseren Lesern eine Empfehlung geben, wie man sich im Urlaub am besten erholt und seine Batterien auflädt? H.D. Hermann: Ja, gern: Handy ausschalten und ein anderes mitnehmen, dessen Nummer nur ganz wenige Menschen für den Notfall haben. Dann kann man die Alltagswelt zu Hause lassen und sich auf das lustvoll, selbstbestimmt und mit Muße einlassen, was einem vor Ort geboten wird. Dieser legendäre Ausspruch des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer war an die Schützen gerichtet; als Aufruf zum Freiheitskampf der Tiroler gegen die Truppen von Napoleon. Dieser Aufruf trifft über 200 Jahre später, wiederum in Passeier, genau auf Jogi Löw und die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft zu. Mandr s’isch Zeit - Männer es ist an der Zeit ..., gilt heute als Aufforderung wieder einmal Weltmeister zu werden! 80 Millionen deutsche Fans erwarten in Brasilien im Finale einen Sieg – gegen die Franzosen, oder gegen wen auch immer. Damals wie heute eine große, schier unlösbare Aufgabe! Doch das Volk steht geschlossen hinter seinen Helden und der Forderung zum Einzug ins Finale. Mit Kampfgeist, Glück und gewiefter Taktik (siehe Hofers erste drei Schlachten am Bergisel) sollte das Unternehmen Weltmeistertitel, auch dank der ausgezeichneten Vorbereitungs- und Trainingsbedingungen im Passeiertal, gelingen! Der Kampf beginnt – auch gegen die Bayern Zurück ins Jahr 1809: Hofer und die Tiroler Schützen gewinnen, obwohl zahlenmäßig weit unterlegen, durch kluge Taktik die ersten drei Schlachten am Bergisel und Andreas Hofer zieht als Herrscher von Tirol in die Innsbrucker Hofburg ein! Langfristig konnte das Tiroler Aufgebot den kampferfahrenen und gut ausgerüsteten bayerischen und französischen Truppen keinen Widerstand leisten. Die Vierte, die Letzte und entscheidende Bergisel-Schlacht ging 1809 dann verloren ... in erster Linie auch deshalb, weil die Bayern damals auf Seite der Franzosen tapfer kämpften. Das dürfte dieses Jahr (so nichts Weltbewegendes dazwischen kommt) nicht der Fall sein! 2014 sind die Bayern eindeutig auf der richtigen Seite, deshalb steht einem großen Sieg im Finale nichts mehr im Weg. Jogi liegt dann ganz Deutschland zu Füßen, ob man ihm ein Denkmal bauen wird, ähnlich jenes von Hofer in Mantua, ist auch fraglich. Die Flucht ins Passeiertal als letzter Ausweg Andreas Hofer gelang nach der Niederlage die Flucht über den Brenner zurück in seine Heimat ins Passeiertal. Er wurde allerdings gegen ein Kopfgeld von einem Landsmann verraten, auf der Pfandler Alm gefangengenommen und in Mantua zum Tode verurteilt und erschossen. Nachdem die gesamte erste Salve der Franzosen noch daneben ging, soll Hofer gesagt haben „mein Gott, was schießt ihr schlecht!“ Eine Aussage, die wir Jogi Löw in jeder Hinsicht ersparen möchten ... vor allem während der WM in Brasilien! Sollte es Jogi und seinen Mannen trotz aller positiven Vorzeichen nicht gelingen, den Weltmeistertitel zu erobern, bleibt auch ihm die Flucht ins Passeiertal. Als Ehrenbürger und Trainer von St. Martin lässt es sich auch hier ganz gut leben und verraten tut in sicher keiner! Andreas Hofer Geboren am 22. Nov. 1767 am Sandhof bei St. Leonhard in Passeier. Anführer der Tiroler Aufstandsbewegung von 1809 gegen die bayerische und französische Besetzung seiner Heimat. Der Freiheitskämpfer gilt heute noch als Nationalheld. Am 20. Feb. 1810 wurde er in Mantua zum Tode verurteilt und erschossen. Weitere Informationen gibt es im Museum Passeier, im Nebengebäude des Sandwirtes in St. Leonhard. Eine Dauerausstellung widmet sich dort der Person des Andreas Hofer. Infos zu Joachim (Jogi) Löw über wikipedia und facebook.

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