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Radius Top Jobs 2019

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28 03/2019 AKTUELL Jetzt bist du dran! In Südtirol gibt es rund 8.000 Unternehmer im pensionsfähigen Alter. Doch die nächste Generation steht keinesfalls überall bereits in den Startlöchern. Die familieninterne Nachfolge birgt nämlich nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Coaches und ein Service der Handelskammer in Bozen unterstützen Unternehmen auf dem Weg zu einer erfolgreichen Nachfolge. „Die erste Generation schafft Vermögen, die zweite verwaltet Vermögen, die dritte studiert Kunstgeschichte, und die vierte verkommt vollends.“ So drastisch wie es einst der deutsche Staatsmann Otto von Bismarck (1815-1898) formuliert hat, ist die Situation zwar keineswegs, doch zeigt eine empirische Studie in Deutschland, dass nur 30 Prozent der Familienunternehmen bis in die zweite Generation überleben und knapp weniger als 14 Prozent bis in die dritte Generation. Laut Schätzungen des WIFO, des Instituts für Wirtschaftsforschung gibt es in Südtirol derzeit rund 8.000 Unternehmer im pensionsfähigen Alter. Viele davon stehen einem Familienbetrieb vor. Die Unternehmens-Übergabe an die nächste Generation ist in Südtirol also ein wichtiges Thema. Auch weil der Fortbestand der Unternehmen von Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Südtirol ist. Familienbetriebe sind in der Regel sehr stark mit dem Ort verwurzelt und haben eine hohe soziale Verantwortung. Sie sichern Arbeitsplätze, unterstützen über Sponsoring auch die Vereinstätigkeiten im Ort und sind gut in den Wirtschaftskreislauf eingebunden. Für eine vitale Lebens- und Wirtschaftsstruktur ist der Erhalt und Fortbestand der Familienunternehmen unerlässlich. Doch wie kann eine erfolgreiche Übergabe gelingen? Schweigen ist Silber, Reden ist Gold Eine gute Nachfolge im Familienunternehmen braucht Zeit, eine gut durchdachte und vorausschauende Planung und vor allem: reden, reden, reden. Das bestätigt auch Birgit Dissertori, die als Freiberuflerin zahlreiche Unternehmen in diesem Prozess begleitet und coacht. „Zunächst geht es darum, im gemeinsamen Gespräch zu einer Entscheidung zu finden: Gibt es Kinder, die den Betrieb übernehmen möchten und decken sich die Erwartungshaltungen von Eltern und Kindern? Ganz entscheidend ist dabei, ein Bewusstsein dafür schaffen, dass die Rolle der Mutter oder Vaters eine gänzlich andere ist, als jene des Firmeninhabers,“ so Dissertori, „dabei stelle ich bei meinen Coaching-Sitzungen oft die Frage in den Raum: Was würdest du deinem Sohn/deiner Tochter wünschen? Und was deinem Unternehmen?“ Für Eltern, so Dissertori, ist es wichtig diese zwei Rollen zu trennen. Ist die Entscheidung gefallen und gibt es eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger, kommt es darauf an, die neuen Rollen zu definieren. Klar festgelegte Rollen sind schließlich auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Betrieb wichtig. Nur so bekommt auch der Junior-Chef die Akzeptanz im Betrieb. Genauso wichtig ist es aber, dem Senior-Chef oder der Senior-Chefin klar definierte und würdige Aufgaben im Betrieb zuzugestehen. „Diese Form der gegenseitigen Wertschätzung ist wichtig“, so Dissertori, „damit der Senior-Chef auch tatsächlich loslassen kann.“ Die Nachfolger-Generation: Wollen oder nicht wollen? Isabel Eisendle hat den Schritt gewagt. Seit Jänner 2019 ist sie ihrem Vater Arno Eisendle als Geschäftsführerin bei Eisendle Versicherungen in Bozen gleichgestellt. Sie wird das Familienunternehmen nun in vierter Generation weiterführen, in das vor kurzem auch der jüngere Bruder Maximilian eingestiegen ist. Ein Gespräch über Mut und Verantwortungsbewusstsein und darüber, wie sich Unternehmensnachfolge in den letzten vierzig Jahren verändert hat. Radius: Sie gehören zur Generation Y. Von ihr sagt man, sie gehe zunehmend lieber eigene Wege und folge häufig nicht mehr in den Familienunternehmen nach. Wann war für Sie klar, dass Sie diesen Schritt wagen werden? Isabel Eisendle: Die Entscheidung war nicht von langer Hand geplant. Mein Vater hat uns Kindern immer kompletten Freiraum in unserer beruflichen Birgit Dissertori

AKTUELL 03/2019 29 Entwicklung gelassen. Es gab nie auch nur den geringsten Druck, dass wir in den Betrieb einsteigen sollten. Und das war genau die richtige Strategie. Nach dem Wirtschaftsstudium und verschiedenen Arbeitserfahrungen im Ausland, reifte mein Wunsch wieder in die Heimat zurückzukommen. Dann gab ich mir, dem Betrieb und dem Leben in Südtirol eine 6-monatige Probezeit. Die darauffolgende Entscheidung, die über 100-jährige Tradition fortzuführen, lag vollkommen bei mir und wurde nicht von meinem Vater beeinflusst. Ich denke, dass ich ansonsten heute auch nicht hier wäre. Radius: Vielen potenziellen Nachfolgern ist die Verantwortung einer Unternehmensnachfolge heute zu groß ist. Wie sehen Sie das? I. Eisendle: Natürlich ist es nicht immer ein Zuckerschlecken. Man glaubt in einigen Momenten überfordert zu sein und dem Druck nicht standzuhalten, aber prinzipiell sehe ich es als große Chance. Ich finde es sehr spannend, einen Betrieb mit einer so langen Geschichte mit neuen Ideen und Herangehensweisen fit für die Zukunft zu machen. Ich wurde dabei von meinem Vater auch von Anfang an voll unterstützt und Aussagen wie, „das haben wir immer so gemacht, deshalb werden wir es auch weiterhin so machen“ habe ich in den letzten fünf Jahren zum Glück kein einziges Mal gehört. Ich bin der Meinung, dass ein Austausch unter „Gleichgesinnten“ sehr guttut. Deshalb spreche ich oft mit Freunden, die sich in ähnlichen Situationen befinden. Radius: Sie haben das Unternehmen in den 1970er Jahren von Ihrem Vater übernommen. Wie hat sich die Unternehmensnachfolge von damals auf heute verändert? Arno Eisendle: Bei mir war der Weg vorbestimmt: Als einziger Sohn – das war damals noch ein Kriterium – führten die Gespräche am Mittagstisch mit meinen Eltern, die beide im Versicherungsbüro gearbeitet haben, über Ferienjobs im elterlichen Betrieb zum Studium der Versicherungswissenschaften. Über Alternativen habe ich nie nachgedacht. Darüber hinaus war das Traditionsbewusstsein viel ausgeprägter und deshalb eine Betriebsnachfolge logischer als zur heutigen Zeit. Radius: Glauben Sie es ist heute schwieriger oder einfacher geworden eine Unternehmensnachfolge anzutreten? A. Eisendle: Ich bin davon überzeugt, dass es heute viel schwieriger ist. Es gibt viel mehr Möglichkeiten als damals, etwa schon beim Studium oder dem Jobangebot. Die Welt ist kleiner geworden und dreht sich schneller. Die jungen Generationen legen sich nicht gerne Arno Eisendle fest, probieren vieles aus und wollen aufgrund der rasanten Veränderungen flexibel bleiben. Dazu kommt, dass heute praktisch jeder Betrieb unter extremen Konkurrenzkampf und überbordender Bürokratie leidet. Die Jungen sehen mit welchem Druck und welchem Risiko ihre Eltern arbeiten müssen, um Erfolg zu haben. Und davor haben viele Angst. Vom Loslassen und Verantwortung übernehmen In der Unternehmensnachfolge trifft die junge Generation, die in große Fußstapfen treten und viel Verantwortung übernehmen soll, auf einen Unternehmer, dem das Loslassen oft schwerfällt. Mit einem eigenen Unternehmensnachfolge- Service sensibilisiert die Handelskammer Bozen für das Thema und unterstützt Unternehmen dabei, sich rechtzeitig mit der Nachfolge auseinanderzusetzen. Haben Betriebe keine Nachfolge, werden die Banken und die Kunden nervös. Auch Coach Birgit Dissertori weiß aus Erfahrung, wie wichtig eine frühzeitige Planung des gesamten Prozesses ist: Auch für den Junior- Chef, der nachfolgen soll. „Ich denke, es ist wichtig, dass die Kinder eines Unternehmers/einer Unternehmerin sich früh mit dem Gedanken an eine Nachfolge auseinandersetzen. Sie sollten aber genügend Zeit in ihre Ausbildung investieren und anschließend auch Erfahrungen in anderen Betrieben sammeln. Schließlich werden sie im elterlichen Betrieb nie ein ‚ganz normaler Mitarbeiter‘ sein.“ Sich dann in einer Übergangsphase in das Unternehmen einzuarbeiten und auf die neue Rolle vorzubereiten ist für Coach Dissertori das richtige Rezept für eine erfolgreiche Isabel Eisendle Nachfolge. „Ich arbeite gerne bei systems, weil mir die Rahmenbedingungen die Möglichkeit geben, eigenständig zu arbeiten.“ Jürgen Seit 23 Jahren bei systems www.systems.bz/jobs

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