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Radius Energie und Umwelt 2014

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themenbereich Wasserkraftwerk Wiesen 50 05/2014 05/2014 51 Energiegeladene Architektur Mehr als 900 Wasserkraftwerke produzieren in Südtirol sauberen Strom, prägen aber auch das Landschaftsbild. Über hundert Jahre Wasserkraft sind auch ein Spiegelbild der Architektur vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute. Als Beispiel die zwei Anlagen der Etschwerke auf der Töll (1898) und in Naturns (1963) und drei neue Kraftwerke der SEL-Gruppe. Während sich der Wirkungsgrad der Kraftwerksanlagen von damals bis heute nicht spektakulär verändert hat (im Bereich von etwa +20 %), ist die Architektur auch bei den neuen Kraftwerken dem Zeitgeist gefolgt. Etschwerke: Töll und Naturns Es war die Zeit der Elektrifizierung. Die Glühbirne verdrängte die Petroleumlampe als Straßenbeleuchtung. Da bestand Handlungsbedarf für die Städte Bozen und Meran, die sich zum Konsortium Etschwerke zusammenschlossen und den Bau des ersten Wasserkraftwerkes auf der Töll in Auftrag gaben. In nur drei Jahren Bauzeit ging es 1898 in Betrieb. Projektiert wurde es vom Münchner Ingenieur Oscar von Miller, dem Gründer des Deutschen Museums in München. Es ist das älteste Kraftwerk Südtirols und das erste der 120-jährigen Erfolgsgeschichte der heutigen Etschwerke AG, deren Aktien nach wie vor die Städte Bozen und Meran zu gleichen Teilen halten. Kraftwerk Naturns 1997 wurde das denkmalgeschützte Kraftwerk technisch saniert und modernisiert, mit besonderem Augenmerk auf seinen kulturhistorischen Wert. Die bedeutsamste Maßnahme war die Freilegung des turmförmigen Risalits aus dem Jahre 1911. Für die architektonischen Renovierungsarbeiten zeichnete das Bozner Architektenbüro Pardeller & Putzer, die bautechnische Projektierung stammte vom Brixner Ingenieurbüro EUT. Leistungsfähig und in ausgezeichnetem Zustand ist das Kraftwerk Töll das Schmuckstück der Etschwerke. Hüter kulturhistorischer Kraftwerke Ebenso aus der Jugendstilepoche stammt das 1912 vom Meraner Bauunternehmen Musch & Lun projektierte und erbaute Schnalstalwerk am Eingang ins Schnalstal. Im denkmalgeschützten, renovierten Gebäude kann noch eine Maschine von damals besichtigt werden. Architektonisch ein Kind seiner Zeit ist auch das Speicherkraftwerk in Naturns von 1963, projektiert von Dalla Bona & Zamolo aus Bozen und W. Gutweniger aus Meran, erbaut von Ing. Leo Perwanger. Durch Lossprengen von ca. 30.000 m³ Bergfels am Naturnser Sonnenberg Kraftwerk Winnebach wurde die Felsstufe geschaffen, auf welcher der zweigeschossige Bau aus Stahlbeton steht. Der in vorgefertigten Betonteilen ausgeführte Bau spiegelt durch Herausarbeitung der einzelnen Bauelemente die dahinterliegende Felsformation des Sonnenberges wider. Das Naturnser Speicherkraftwerk nutzt ein enormes Gefälle von 1.150 m, ist das größte Hochwasserkraftwerk Südtirols und der „Ferrari“ der Etschwerke. Die Etschwerke AG fühlt sich als ältester Kraftwerk-Erbauer Südtirols besonders der Tradition und kulturellen Verantwortung verpflichtet. Die Erhaltung und Pflege der kulturhistorischen Wasserkraftbauten insgesamt, nicht nur des Maschinenhauses, sind ihr ein besonderes Anliegen. SEL: Vinschgau, Wipptal und Pustertal Die SEL-Gruppe achtet beim Bau ihrer neuen Wasserkraftwerke auf eine technisch und ökologisch einwandfreie Funktionsweise und auch auf eine ästhetische Umsetzung der Kraftwerke. Ein gelungenes Beispiel dafür ist das Wasserkraftwerk Punibach oberhalb von Mals im Vinschgau. Entworfen von den Bozner Architekten Patrik Pedò und Juri Pobitzer vom Architekturbüro monovolume architecture + design, wurde es im Sommer 2011, nach nur einem Jahr Bauzeit, in Betrieb genommen. Das Gebäude orientiert sich an der umliegenden Hügellandschaft und fügt sich sanft und harmonisch in die Landschaft ein, auch durch die eingesetzten Materialien. Für das Projekt erhielten die beiden Architekten sogar eine Auszeichnung. Beim Architekturfest 2013 in Rom wurden sie mit der „Lobenden Erwähnung“ der Auszeichnung „Junges Talent der italienischen Architektur“ geehrt. Eingangsportal Kraftwerk Töll (links) und das Kraftwerk Töll auf einem Foto aus dem Jahre 1898 baut, da der Bauplatz begrenzt war. Durch die kantige Form soll es an einen Felsen erinnern, der aus dem Hang bricht. Die Verwendung von wasserundurchlässigem weiß gefärbten Beton hebt die Ähnlichkeit zu den umliegenden Felsen noch stärker hervor. Auch dieser Entwurf stammt vom Architekturbüro monovolume architecture + design. Für das Wasserkraftwerk in Wiesen-Pfitsch wurde ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben. Gewonnen hat das Projekt des Südtiroler Architekten Hermann Gschnitzer, der das Gebäude als schlichten monolithischen Körper aus Stahlbeton mit einer Holzverkleidung aus Lärche konzipierte. Aufgelockert wird die Struktur durch eine große Glasfront an der dem Pfitscherbach zugewandten Seite. Diese gibt den Blick auf die Turbinen und Generatoren im Inneren frei und damit auf den eigentlichen Zweck des Gebäudes. Die Anlage ist seit Dezember 2013 in Betrieb. Wasserkraftwerk Punibach Winnebach und Pfitscherbach Ein weiteres neues Wasserkraftwerk, das sich perfekt an die Umgebung anpasst, steht am Winnebach in der Gemeinde Vintl. Es wurde teilweise in den dahinterliegenden Hang ge-

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