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Radius Baustoff Holz 2018

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4 07/2018 Unser Wald Der Wald und somit auch das Holz sind schon seit jeher ein Teil der Südtiroler Identität und spielen in allen Bereichen unseres Lebens eine wichtige Rolle. Das „grüne Gold“ ist für unser Land nicht nur von gesellschaftlicher und landschaftlicher, sondern auch von wirtschaftlicher Bedeutung. Der Wald bedeckt ca. 50 Prozent der Fläche Südtirols. Das sind insgesamt ca. 300 Millionen Bäume, und davon haben 58 Prozent die Funktion eines Schutzwaldes. Umsatz 1,3 Milliarden Euro und eine hohe Wertschöpfung In unseren Wäldern wachsen 105 Millionen Kubikmeter Holz, und davon werden ca. 650.000 Kubikmeter für die Holzproduktion genützt. 25.000 Einkommensbezieher in mehr als 2.200 Holzverarbeitungsbetrieben können mit dem heimischen Wald wirtschaften und davon leben. Der geschätzte Umsatz des Sektors Wald-Holz beläuft sich auf ca. 1,3 Milliarden Euro pro Jahr und trägt somit auch zur starken Wirtschaft Südtirols bei. Besonders hervorzuheben ist die Bedeutung der Holzwirtschaft für den ländlichen Raum. 80 Prozent der Holzverarbeitungsbetriebe sind auf dem Land angesiedelt und bieten dort Arbeitsplätze und stärken dadurch den ländlichen Raum. Diese beeindruckenden Zahlen zeigen, wie der Wald und das Holz unser Land und unsere Wirtschaft prägen. Der Holzmarkt ist international und die Konkurrenz stark. Südtirol kann hier, wie auch in vielen anderen Bereichen, mit nachhaltiger Bewirtschaftung und vielfältigen Verarbeitungsmöglichkeiten punkten. Die hohe Qualität des Holzes und der gefertigten Produkte kann überzeugen, jedoch sollten wir uns nicht zurücklehnen, sondern versuchen, das immense Entwicklungspotenzial dieser Branche zu nutzen. Hier gilt es, die Rahmenbedingungen für weitere Schritte gemeinsam mit den Vertretern der Holzwirtschaft und den Waldbesitzern zu setzen. ProRamus – Wissenstransfer und Ideenaustausch Das im Jahr 2017 gestartete Gemeinschaftsprojekt Pro Ramus mit Vertretern des Landes, des Südtiroler Bauernbundes, des Wirtschaftsverbandes für Handwerk und Dienstleister (LVH), des Südtiroler Unternehmerverbandes, des Südtiroler Energieverbandes (SEV) sowie der IDM-Südtirol vermittelt Einblicke in die Südtiroler Forst- und Holzwirtschaft. Es sollen Wissenstransfer und Ideenaustausch gefördert und die vielseitigen Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten innerhalb der Holzbranche aufgezeigt werden. Die Einbeziehung aller Stakeholder bietet einen Mehrwert für den Einzelnen und lässt neue Wege im Holzsektor entstehen. Weiters hat sich das Land Südtirol zum Ziel gesetzt, ein international anerkanntes Klimaland zu werden. Diesbezüglich wurden Maßnahmen im Klimaplan Energie – Südtirol 2050 gesetzt, welche zu einer Reduzierung des CO 2-Ausstoßes

vorwort 07/2018 5 führen sollen. Der Klimaplan 2050 wurde mit einer eigenen Strategieachse „Wald-Holz-Kohlenstoffbindung“ ergänzt: Neben der Energieeffizienz und Nachhaltigkeitswirkung des Holzes als erneuerbarer Rohstoff soll die vielschichtige Klimaschutzwirkung des Holzes als Kohlenstoffspeicher aktiviert werden. Durch einen verstärkten Einsatz von Holz als Baustoff wird langfristig mehr CO 2 gebunden, es entstehen mehr Nebenprodukte, zum Beispiel Hackgut für energetische Zwecke, und die gesteckten Klimaschutzziele der Emissionsreduktion können so erreicht werden. Öffentliche Bauten – zu zehn Prozent in Holzbauweise Daher hat sich die Landesregierung dafür ausgesprochen, dass ab 2018 zehn Prozent der öffentlichen Hochbau- Bauvorhaben in Holzbauweise realisiert werden sollen. Außerdem ist eine jährliche Steigerungsquote von fünf Prozent der umgesetzten Bauten bis ins Jahr 2025 vorgesehen. Dadurch soll eine Mindestbebauungsrate in Holzbauweise von 40 Prozent ab dem Jahr 2025 erreicht werden. Auch für private Bauherren soll es Anreize geben, beispielsweise für Sanierungsvorhaben in Holzbauweise oder höhere Energieeffizienzförderungen für Massivholzbauweise oder Holzmischbauweise. In erster Linie wird Wert darauf gelegt, heimisches Holz zu verwenden. Das Ziel muss es sein, die Wertschöpfung im Land zu halten und die Tätigkeiten der Holzproduzenten und Waldbesitzer zu unterstützen. Eine enorme Herausforderung: Aufarbeiten der Schäden Die Unwetter der letzten Oktobertage haben uns gezeigt, wie wichtig die Schutzfunktion des Waldes ist. Auch wenn es zu Überschwemmungen und Murenabgängen gekommen ist, möchte man sich kaum vorstellen, was ohne unsere Wälder passiert wäre. So wurden in diesen Tagen von den Wäldern durchschnittlich 150 Millionen Kubikmeter aufgesogen – im Vergleich dazu: Der Reschensee fasst etwa 120 Millionen Kubikmeter Wasser. Die Wälder haben also gleich einem Schwamm eine riesige Wassermenge zurückgehalten. Aufgrund der starken Sturmböen ist es vermehrt zu Windwurf gekommen. Der Schaden ist enorm und stellt die Waldbesitzer, die Holzbranche und die Landesverwaltung vor große Herausforderungen. Nun gilt es in erster Linie, genügend und geeignete Lagerplätze zu finden und den fallenden Holzpreis entsprechend abzufedern. Nach dem Abtransport wird, dort, wo es nötig ist, die Schutzfunktion wiederherzustellen, schnellstmöglich mit Aufforstungen begonnen. Auch wenn durch höhere Gewalt ein hartes Jahr auf die Holzbranche zukommt, so bin ich trotzdem überzeugt, dass der Forst- und Holzwirtschaft eine gute Zukunft bevorsteht. Der Landesrat Arnold Schuler

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