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Radius Baustoff Holz 2018

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28 07/2018 aktuell hervor: Zu Beginn seiner Amtsperiode (1065-1091) dieses später heiliggesprochenen Kirchenfürsten seien fast alle Kirchen des Landes aus Holz errichtet gewesen und nun durch Steinbauten ersetzt worden. Für Holzkonstruktionen fanden von den einheimischen Nadelhölzern in erster Linie die Kiefer oder Föhre, die Fichte, die Weiß- oder Edeltanne und die Lärche Verwendung; von den einheimischen härteren Laubhölzern die Winter-, Trauben- oder Steineiche, die Sommer- oder Stieleiche, die Rotbuche und die Erle. Leider hat ein europaweites Baumsterben die Ulmen- oder Rüsterbestände weitestgehend vernichtet. Handwerker des Barock im 19. Jahrhundert wählten für ihre künstlerisch subtilen Schöpfungen mit Bedacht Hölzer mit besonders wirkungsvollen Farben und Strukturen aus. Effektvolle Wurzelfurniere, einheimische Nuss und diverse Obstbaumhölzer und besonders die Kirsche erfreuten sich großer Beliebtheit. Im Kanton Schwyz stehen die ältesten Holzhäuser Europas Das älteste bekannte Holzhaus Europas ist das Haus Nideröst im Schweizer Kanton Schwyz. Es stammt aus dem Jahre 1176, war bis 1980 bewohnt und wurde 2001 für den Neubau eines Einkaufszentrums abgerissen. Der Abriss erfolgte, obwohl die Fachleute des Schweizer Heimatbundes ihm einen „tadellosen Zustand“ bescheinigten. Die Teile des über 800 Jahre alten Herrenhauses wurden nummeriert und zwischenzeitlich in einer Halle in Goldau eingelagert. Nach längeren Diskussionen mit Fachleuten und um die Finanzierung des Wiederaufbaues (mehrere Millionen Schweizer Franken) steht das Haus heute wieder als Teil eines bäuerlichen Museums und gilt als wertvolles Kulturgut, welches wichtige Einblicke in die Entwicklung des Holzbaues ermöglicht. Das bisher älteste noch stehende Holzhaus ist das Haus Betlehem aus dem Jahre 1287, ebenfalls in der Gemeinde Schwyz im gleichnamigen Kanton. Solche Häuser aus Holz boten Foto: © DPFL-SZ Haus Nideröst ist das älteste Holzhaus Europas. Das Haus Betlehem beherbergt ein Museum. im gemäßigten Klima Mitteleuropas einen angenehmeren Aufenthalt als solche aus Stein, deshalb war diese Bauweise damals weit verbreitet. Allerdings erforderte die Errichtung ein Höchstmaß an handwerklichem Können und zahlreiche Arbeitskräfte. Das Haus Betlehem ist eines von zwölf historischen Gebäuden im Kanton Schwyz, die sämtlich zu den ältesten Häusern ihrer Art auf dem Kontinent gehören. Im Haus Betlehem befindet sich heute ein Museum, ein Großteil der übrigen Häuser ist bis in die Gegenwart bewohnt. Kunstwerke aus Holz Bereits die antiken Autoren Vitruv (geb. etwa 84 v. Chr.) und Plinius der Ältere (23-79 n. Chr.) äußern sich mehrfach und ausführlich zu Fragen der Verwendung des Holzes für bautechnische und künstlerische Zwecke. Nach den Angaben des alttestamentlichen Buches Exodus fand in erster Linie die nicht genau feststellbare Holzart (lignum setim), die in den neueren Bibelübersetzungen meist als Akazienholz verstanden wird, Verwendung. Im 15. und 16. Jahrhundert haben die Bildschnitzer ausschließlich Lindenholz verarbeitet. Möglicherweise gab es dafür neben seiner technischen Eignung auch noch andere Gründe. Schon die heilige Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) schrieb verschiedenen Teilen des Lindenbaumes eine heilende Wirkung zu. In Hildegards „Buch von den Bäumen“ heißt es hierzu unter anderem wörtlich: „Denn die starke und scharfe Wärme der Linde beruhigt die schädlichen Säfte, die dem Herzen des Menschen schaden.“ Neben der modernen Architektur bedienen sich auch die bildenden Künste des Materials Holz in höchst differenzierter Weise. Künstlerisch gestaltete Holzböden und Verkleidungen von Wänden und Decken aus Holz sind auch in moderner Zeit von besonderer Aktualität. Sehr viele prominente Künstler und Künstlerinnen der Gegenwart verwenden Holz als formbaren Stoff oder als Trägermaterial für Bildgestaltungen. Foto: © DPFL-SZ

aktuell 07/2018 29 Foto: © Zaha Hadid Architect, Render by VA Foto: © Zaha Hadid Architect, Render by VA Zaha Hadids Fußballarena in England Zaha Hadid Architects bauen in England das erste „Komplett aus Holz“-Stadion. Nach einem siebenmonatigen, international ausgeschriebenen Architekturwettbewerb und insgesamt 50 eingereichten Beiträgen hat sich der britische Fußball verein Forest Green Rovers FC schließlich für ihren vollökologischen Planungsvorschlag entschieden. Der Baustoff Holz kommt in der gesamten Baustruktur inklusive des Kragdachs und der Fassade zum Einsatz. Selbst die Sitzreihen und Bodenplatten inklusive der Tragkonstruktion der Tribünen werden in Holzbauweise realisiert. Das Dach wird mit einer transparenten Membran überzogen und soll anschließend begrünt werden. Die Planer erhoffen sich von der halb durchlässigen Dachbedeckung weniger starke Schattenwürfe auf dem Spielfeld. Das gesamte Projekt bestehe aus einem Naturreservat, einem öffentlichen Verkehrsknotenpunkt und der Holzarena. Graue Energie minimiert Weltweit wird als erstes Gebäude dieser Art das Forest- Green-Rovers-Stadion fast ausschließlich aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz gebaut. Über 5.000 Zuschauer wird das Stadion im englischen Nailsworth nach seiner Fertigstellung fassen: „Wenn man sich vor Augen hält, dass rund drei Viertel des CO 2-Haushalts eines solchen Stadions – über die Gesamtnutzungsdauer betrachtet – allein durch das Baumaterial verursacht werden, leuchtet ein, warum es so wichtig ist, diesen Aspekt zu berücksichtigen. Und deshalb wird unsere Arena jene mit der geringsten grauen Gebäudeenergie weltweit sein. Wir sind stolz auf das grünste Fußballstadion der Welt“, freut sich Dale Vince, Vorsitzender des Vereins. Zudem soll die natürliche Wiesenlandschaft im Umkreis des Stadions erhalten und teilweise sogar noch aufgewertet werden. Foto: © Zaha Hadid Architect, Render by MIR

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