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Radius Alpine Technologien 2018

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40 08/2018 aktuell Innovation – warum die Uhr tickt Innovation ist ein Wort, das in aller Munde liegt und mittlerweile für alles Mögliche verwendet wird. Oft wirkt der Begriff schon recht abgestumpft und inflationär, zumal sich jeder damit zu schmücken scheint. Doch was steckt denn wirklich dahinter und warum müssen wir uns gerade jetzt so intensiv damit beschäftigen? Innovation geschieht dann, wenn eine verbesserte Lösung für ein bestimmtes Problem entwickelt bzw. etwas ganz Neues erfunden wird. Warum dieser Vorgang so wichtig für unsere Unternehmen und unsere Wirtschaft ist, lässt sich am Beispiel der Automobilbranche recht gut erklären. Sieht man sich die deutschen Autohersteller an, merkt man, dass dort die Angst umgeht. Das Management versucht betont „innovativ“ zu wirken, man erzählt wo man überall investiere und wie viel Geld man in Forschung stecke. Doch bei näherer Betrachtung merkt man, wie mühsam es für diese Kolosse ist, sich auf den Markt der Zukunft einzustellen. VW, Mercedes & Co. investieren jährlich Milliarden in Forschung und Entwicklung. Trotzdem ist es einem absoluten Newcomer namens Tesla gelungen, die ganze Branche innerhalb kürzester Zeit unter Zugzwang zu setzen. Gleichzeitig drängen Datenunternehmen wie Google und Apple in den Markt und wollen die Autohersteller langfristig in die Rolle eines reinen Zulieferers zwingen. Egal wie groß und wie breit man aufgestellt ist, keiner ist heute sicher vor Disruption. Disruption ist der Vorgang, bei dem ein bestehendes Geschäftsmodell bzw. ein gesamter Markt von einer Innovation abgelöst wird. Beispiele dafür sind die „Zerstörung“ von Kodak durch die Digitalkamera oder jene von Nokia durch das Smartphone. Neue Technologien krempeln ganze Märkte um Dieses „Problem“ betrifft Unternehmen aus allen Branchen. Neue Technologien wie 3D-Druck, künstliche Intelligenz, Big Data, Internet der Dinge (IoT) und Robotik sind bereits dabei, so gut wie alle Bereiche unserer Wirtschaft und Gesellschaft zu erreichen und teilweise umzukrempeln. Wir befinden uns an der Schwelle der größten Revolution seit Erfindung der Dampfmaschine. Den Kopf in den Sand zu stecken und zu hoffen, dass alles wieder vorbeigeht, wird nur dazu führen, dass man Marktanteile an innovative Mitbewerber verliert. Fakt ist, dass die Karten weltweit neu gemischt werden. Bestehende Wirtschaftsmärkte, die in den vergangenen Jahrzehnten oder Jahrhunderten eine Vormachtstellung hatten, werden mittlerweile von Ländern bedroht und überholt, die man früher noch belächelt hat. Untersuchungen zufolge haben Länder wie Thailand, Chile, Südafrika oder Brasilien weit höhere Chancen, bei der digitalen Transformation als Gewinner hervorzugehen, als viele europäische Länder. Wenn wir uns also nicht mit der Revolution beschäftigen, die jetzt erst beginnt richtig durchzustarten, riskieren wir abzusteigen.

aktuell 08/2018 41 In die Zukunft investieren In Innovation zu investieren ist eine Investition in die Zukunft. Doch wie nähert man sich diesem Thema und schafft es, dem Markt einen Schritt voraus zu bleiben? Zuerst müssen wir sicherlich ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie wichtig es ist, sich mit dem Thema Innovation und mit der digitalen Transformation im Allgemeinen zu beschäftigen. Jedes Unternehmen sollte das Thema groß auf seine Agenda schreiben, Ressourcen freigeben, entsprechende Teams oder Mitarbeiter schulen und einsetzen und ihnen Handlungsspielraum gewähren. Es muss eine Kultur geschaffen werden, die Kreativität, Experimente und auch Fehlermachen zulässt. Zudem sollten Unternehmen Zeit darin investieren, neue Technologien und Trends wirklich zu verstehen. Das kostet Zeit, und im Alltag ist das oft leichter gesagt als getan. Trotzdem ist der langfristige Vorteil immens hoch. Dabei sollten die eigenen Geschäftslogiken stets nüchtern überdacht und Prozesse eingeführt werden, neue Ideen gezielter zu entwickeln, sie besser handzuhaben und schneller in den Markt zu bringen. Dass Innovationen in großen Strukturen oft schwer umsetzbar sind, beschreibt das Standartwerk „The Innovators Dilemma“ sehr gut. Es gibt alternative Möglichkeiten, wie etwa die Zusammenarbeit mit Startups oder das „herausnehmen“ kleinerer Teams aus dem Unternehmen, damit sie flexibler und agiler arbeiten können. Dabei wird nicht jahrelang an Prototypen gearbeitet, sondern Ideen werden schnell und kundenorientiert getestet und weiterentwickelt. Lokale Banken sind auch gefragt, denn sie müssen die langfristige Wichtigkeit von Innovationsprojekten verstehen lernen und entsprechenden Investitionen gegenüber aufgeschlossener sein. Dies sowohl bei etablierten Unternehmen, als auch bei jungen Gründern. Auch im Bildungsbereich steht Handlungsbedarf an. Der Verband der Internetwirtschaft prognostiziert, dass zweidrittel unserer Kinder 2035 in Jobs arbeiten werden, die es heute noch nicht gibt. Wir müssen also neue Fähigkeiten fördern, wie etwa Kreativität, eigenständiges und kritisches Denken, Flexibilität und Erfindergeist. An dieser Stelle ist zu sagen, dass viele Südtiroler Unternehmen bereits sehr aktive und erfolgreiche Innovatoren sind und diese Einstellung seit vielen Jahren leben. Trotzdem darf sich keiner auf seinen Lorbeeren ausruhen. Wir müssen ständig in Bewegung bleiben und Neuem gegenüber aufgeschlossen sein. Denn die Entwicklungen schreiten mit hoher Geschwindigkeit voran und Marktdynamiken verändern sich viel schneller als je zuvor. Wenn wir es schaffen, die Herausforderungen der Zukunft für uns zu nutzen, haben wir die Chance, Neuerungen nicht nur passiv ausgesetzt zu sein, sondern aktiv mitgestalten zu können. So können wir positive Impulse für unsere Wirtschaft und für unsere Gesellschaft setzen, von denen wir langfristig alle profitieren. Zum Autor: Johannes Troger ist Partner im VINBURG CONSULTANCY NETWORK und mehrfacher Gründer mit unternehmerischem Fokus im Digitalbereich. Er ist auf Start-Up Mechanismen und Innovationsprojekte spezialisiert und begleitet sowohl Neu-Gründer als auch etablierte Unternehmen und Institutionen.

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