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Radius Alpine Technologien 2011

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themenbereich 10 10/2011 Über den Wolken: die Baustelle an der Helbronner Spitze 10/2011 11 Mit Doppelmayr auf den höchsten Berg Europas Wer den Mont Blanc als Nichtbergsteiger aus nächster Nähe sehen möchte, wählt die Seilbahnfahrt von Courmayeur nach Chamonix. Das war bisher oft eine Qual, wegen der veralteten und viel zu kleinen Bahn. Die „Seilbahn der Gletscher“ mit einer Gesamtlänge von 15 km ist ein Touristenmagnet und gilt als eine der spektakulärsten, je gebauten Seilbahnen. Drei Pendelbahnen führen auf italienischer Seite zum Gipfel der Helbronner Spitze auf 3460 m Meereshöhe. Von der Gletscherterrasse hat man einen atemberaubenden 360°-Rundblick auf den Mont Blanc und auf die majestätischen Umrisse des Matterhorns, des Gran Paradiso und des Monte Rosa. Die Bergstation ist gleichzeitig auch Grenzort zwischen Italien und Frankreich. Unzählige Tagesausflügler „erklimmen“ auf diese Weise den höchsten Berg Europas. Was in Vergangenheit oft mit immensen Wartezeiten verbunden war, weil die Bahn nur geringe Förderkapazitäten aufwies und nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprach. Damit soll in Zukunft Schluss sein: Die neue Bahn auf italienischer Seite kann in Zukunft dreimal so viele Personen in kürzerer Zeit befördern. Die alte Anlage an der Südflanke besteht aus drei Teilstrecken. Die ersten beiden wurden in den 1930er Jahren geplant und nach dem Krieg in den 1940er Jahren erbaut – mit Kabinen für 30 bzw. 20 Personen. Die letzte, kurze Teilstrecke wurde 1957 fertiggestellt, auf der nur acht Personen befördert werden können. Rekordsumme Anfang 2011 erhielt Doppelmayr Italia den Zuschlag für das prestigereiche Projekt. Mit einem Gesamtauftragsvolumen von 110 Millionen Euro ist es der größte Auftrag in der Geschichte des Unternehmens mit Sitz in Lana. Es ist ein Projekt von internationaler Tragweite – und außergewöhnlich nicht allein wegen des Rekordauftragswertes. „Die Arbeitsbedingungen sind äußerst komplex und in einem widrigen Umfeld, der Zugang zur Baustelle erschwert. Es braucht kompetente und erfahrene Mitarbeiter, die bereit sind, an solch extremen Orten die schwierigen Arbeiten auszuführen“, beschreibt Othmar Eisath, Geschäftsführer von Doppelmayr Italia, die Situation. Die geplante Mittelstation Funivie Monte Bianco: Technische Daten Länge Gesamtstrecke 4,4 km Höhenunterschied gesamt 2100 m service Talstation Pontal d‘Entrèves 1370 m.ü.d.M. Mittelstation Pavillon du Mont Frety 2170 m.ü.d.M. Bergstation Helbronner Spitze 3462 m.ü.d.M. 1. Teilstrecke Pontal d‘Entrèves - Pavillon du Mont Frety 2. Teilstrecke Pavillon du Mont Frety - Helbronner Spitze Geplante Fertigstellung 2015 Fahrzeit: Fassungsvermögen Kabine: Förderleistung: Fahrgeschwindigkeit: Fahrzeit: Fassungsvermögen Kabine: Förderleistung: Fahrgeschwindigkeit: Arbeiten am Abgrund Die Anforderungen sind hoch: von Mai an liefen die Vorbereitungen für die Einrichtung der Baustellen bei Tal-, Mittel- und Bergstation. Ein kühnes Unterfangen, denn Arbeitsgeräte wie Fräse oder Bagger und Kräne mussten am Berg per Hubschrauber angeflogen und mit dessen Hilfe in Millimeter genauer Präzision aufgestellt werden. Die beiden Kräne oberhalb des Schutzhauses „Rifugio Torino“ dienen dazu, das Baumaterial auf die 100 m höher gelegene Helbronner Spitze zu hieven. Eine neu errichtete Materialbahn schafft Baustoff und Technik von der Mittelstation „Pavillon du Mont Frety“ zur Bergstation. Insgesamt vier Materialbahnen dienen während des Neubaus der Anlage als Beförderungsmittel. Aushubgestein am Berg wird per Materialbahn zu Tal gebracht. Bis November wurde am Stollen an der Helbronner Spitze gearbeitet: Ein 70 m hoher Aufzug wird im Felsen hinab und über einen 150 m langen Querstollen zum Schutzhaus „Rifugio Torino“ führen. Gleichzeitig dient der Schacht als Fundament für die Bergstation und stützt sie – drückt doch eine immense Kraft von 600 Tonnen Richtung Tal. 2012 wird der Stollen fertiggestellt. Mit dem Bau der Stationen wird im nächsten Jahr begonnen. Auf fünf Jahre beläuft sich die Bauzeit, wobei am Berg – je nach Wetterlage – nur zwischen Mai und September im Schichtwechsel gearbeitet werden kann. Der anstrengende Job ist ein Drahtseilakt, bei dem im abschüssigen Gelände jeder Handgriff und der Einsatz des Werkzeugs perfekt sitzen müssen. Einen Kraftakt stellt auch die Meereshöhe von fast 3500 m dar, in der der Sauerstoffdruck geringer ist und die Leistungsfähigkeit merklich abnimmt. Großzügige Technik Die neuen Kabinen sind ein Schaustück an Ästhetik und Innovation. Um die 360°-Sicht auf das Bergpanorama ungestört genießen zu können, haben sie eine runde Form, sind vollständig verglast und rotieren um die eigene Achse. Doppelmayr hat diese zukunftsweisende Technik bereits an 4 Min. 80 Personen 800 P/h 9 m/sec 6 Min. 75 Personen 600 P/h 9 m/sec anderen bedeutenden Orten im Einsatz, beispielsweise am Monte Baldo. Eine enorme Herausforderung für Doppelmayr ist es trotzdem: Nie zuvor wurde eine drehende Kabine in so großer Höhe eingesetzt. Die Innenausstattung ist hochmodern ausgelegt: Die Scheiben sind beheizbar – damit sollen die Fenster nie beschlagen. Durch die Bodenheizung ist dieser jederzeit eisfrei und bleibt somit rutschsicher. Weitere Ausstattungsmerkmale der Hightech-Kabine sind Klimaanlage, einstellbare LED-Beleuchtung, Soundanlage und Multimedia: Auf Bildschirmen werden Livebilder der Kameras, die außen am Boden der Kabine angebracht sind, oder über W-LAN Infos wie Wetterdaten eingeblendet. Eindrucksvoll ist auch die Technik im Hintergrund: Intelligente Pendeldämpfer gleichen die Pendelung der Kabine je nach transportierter Last automatisch aus. Mit dem Wassertank im Boden lässt sich Wasser von der Mittelstation zur Bergstation transportieren. Wert gelegt wird auf geringen Energieverbrauch: Mit der Last talwärts (bei Talfahrt der Besucher) wird Bremsenergie zurück ins Netz gespeist. Auf Grund des schwer erreichbaren Terrains und wegen der alpinen Höhe ist der Antrieb jeweils doppelt ausgeführt: Zwei Motoren bei Haupt- und Notantrieb sowie beim Rettungsantrieb gewähren eine maximale Sicherheit bei Ausfall eines Motors. Bis die Jungfernfahrt tatsächlich stattfinden wird, vergehen noch vier Jahre. Die Betreiber auf der französischen Seite wollen ebenfalls mit der Modernisierung ihrer Anlagen nachziehen. Mit Sicherheit wird die Überquerung des Mont- Blanc-Massivs in Zukunft noch spektakulärer. INFO Doppelmayr Italia GmbH Industriezone 14 | 39011 Lana Tel. 0473 262 231 | Fax 0473 262 201 info@doppelmayr.com | www.doppelmayr.com

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