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Energie & Umwelt 2015

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38 06/2015 INFO-PR INFO-PR 06/2015 39 Die Lösung ist da, nutzen wir sie! Das Potenzial der Erdwärme und warum es noch verkannt wird. Wetterextreme und zur Neige gehende Gas- und Ölquellen zeigen uns: So kann es nicht weitergehen. Wir müssen umdenken und „umstellen“. Eigentlich wäre die Lösung der Energiefrage ganz einfach. Sie lautet Erdwärme. Denn Erdwärme ist die einzige Energiequelle, die unerschöpflich, erneuerbar und überall vorhanden ist. Energieautark durch Erdwärme In folgendem Interview erklärt der Erdwärme-Experte Wolfgang Holzfeind – er ist Geschäftsführer des Bozner Energie-Unternehmens Geoliving –, warum Südtirol mit der Nutzung von Erdwärme (Geothermie) energieautark werden könnte. > Radius: Herr Holzfeind, Sie behaupten, das Potenzial der Erdwärme sei in Südtirol noch nicht erkannt worden. Zweifler werden jetzt sagen „Das ist nur die Werbung eines Unternehmers“. Was entgegnen Sie dieser Aussage? Wolfgang Holzfeind: Das mit der Werbung hätte ich vor zehn Jahren vielleicht auch gesagt. Wer sich allerdings eingehend mit der Materie beschäftigt, der wird zum selben Schluss kommen wie ich – und wie übrigens viele neutrale Das Jahr 2015 dürfte das wärmste Jahr aller Zeiten werden. Diese Prognose geben Klimawissenschaftler aus den USA aufgrund jüngster Wetter- und Klimadaten. Wie die US-amerikanische Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA festgestellt hat, war bereits der Juni 2015 der weltweit wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Wissenschaftler ermittelten eine Durchschnittstemperatur auf den Oberflächen von Land und Meer von 16,33 Grad Celsius. Das sind 0,88 Grad mehr, als der Durchschnitt des 20. Jahrhunderts ergab. Laut dem Klima-Extrem-Index der NOAA gab es zumindest in den USA eine klare Häufung von Rekord-Temperaturen seit Beginn des Jahrtausends. Zwischen 1910 bis etwa 1990 habe es zwar temporäre Ausreißer gegeben, aber keine systematische Erwärmung. Aber auch in Europa ist dieser Trend deutlich zu erkennen. So wurde beispielsweise in Spanien und Österreich heuer ein Wert von 1,4 Grad über dem Durchschnitt zwischen 1981 und 2010 berechnet. Das Wetter und die Temperaturen werden also immer extremer. Und das geht nicht nur in die „warme“ Richtung. Auch ungewöhnliche Kälteeinbrüche oder riesige Regenmengen dürften das Klima in den nächsten Jahrzehnten prägen. Dass der Mensch zu einem Teil mitverantwortlich für diese Entwicklung ist, dürfte kaum mehr jemand bezweifeln. Umso mehr ist es nun Aufgabe jedes Einzelnen und der Politik, diesen Trend zumindest zu verlangsamen. Kohlendioxid ist hauptverantwortlich für den Treibhauseffekt und damit auch mit schuld am Klimawandel. Daher gilt es, die CO 2 - Emissionen zu reduzieren. Das geht am effektivsten über die Heizung. Denn sie ist in unseren Breitengraden der größte CO 2 -Produzent. Energieexperten. Nicht umsonst stellt die Schweiz mit Volldampf auf Erdwärme um. Erdwärme hat gegenüber anderen erneuerbaren Energieformen viele Vorteile … > Radius: Die da wären …? W. Holzfeind: Nehmen wir als Beispiel die Sonnenenergie. Südtirols Haushalte waren in den vergangenen Jahrzehnten vorbildlich mit dem Einbau von Solaranlagen. Und das war auch gut so. Im Winter jedoch, wenn wir mehr Wärme brauchen, liefert die Sonne oft zu wenig Energie. Erdwärme hingegen kann unabhängig von der Jahreszeit und vom Wetter genutzt werden. Sie ist praktisch in unendlicher Menge im Untergrund vorhanden – und das überall auf der Welt. > Radius: Südtirol setzt seit einiger Zeit aufgrund der reichen Holzvorkommen auf Hackschnitzel-, Pellets- und andere Holzheizungen. Ist diese Art der Wärmeenergie für unser Land nicht naheliegender als Erdwärme, die erst aus dem Boden geholt werden muss? W. Holzfeind: Auf den ersten Blick vielleicht. Aber man muss bedenken, dass Holz nur bei einem idealen Verbrennungsprozess umweltfreundliche Energie liefert. Auch bei Pellets gibt es Bedenken wegen des Freiwerdens von Schwermetallen und Rauchpartikeln. Erdwärme hingegen verursacht überhaupt keine Emissionen. Lediglich der Antrieb der Wärmepumpe, die die Erdwärme auf die richtige Temperatur bringt, braucht einen geringen Anteil an Strom. Wenn dieser aber aus erneuerbaren Quellen stammt, erfolgt die Wärmeproduktion CO 2 -neutral. Außerdem entfallen bei der Nutzung von Erdwärme sämtliche Transportwege, und die Effizienz ist im Vergleich größer als bei anderen Energieträgern. > Radius: Strom aus Wasser, Wärme aus der Erde – damit wäre Südtirol unabhängig, wenn es um Energie geht. W. Holzfeind: Genau. Wenn das Verständnis für die Erdwärme wachsen würde, hätten wir alle Voraussetzungen, um energieautark zu werden. > Radius: Warum setzt sich Erdwärme in Südtirol Ihrer Meinung nach trotz seines Potenzials und seiner Effizienz noch schwer durch? W. Holzfeind: Ich denke, das liegt daran, dass man sich schwer vorstellen kann, wie eine Geothermie-Anlage funktioniert, zumal die Temperaturen unter der Erdoberfläche ja nur knapp über jenen am Boden liegen. Außerdem denken viele bei Erdwärme gleich an riesige Bohrlöcher. > Radius: Und wie erklären Sie Ihren Kunden, wie Erdwärme „funktioniert“? W. Holzfeind: Die Angst vor den „riesigen Bohrlöchern“ für die Erdsonden kann ich meist schnell vertreiben. Wir haben bei bestehenden Gebäuden Bohrungen in Gärten durchgeführt, wo man ein paar Tage später nichts mehr gesehen hat. Bei Neubauten ist es sowieso kein Problem. Die Erdwärme-Technologie ist ebenfalls keine Hexerei. Über die Erdsonden gelangt die Erdwärme in eine Wärmepumpe – übrigens das einzige sichtbare Element der Anlage –, für die ein Platz eines Kühlschranks notwendig ist. Wie der Begriff verrät, pumpt dieses Gerät die Temperatur dieser Erdwärme auf .fws.ch jene Höhe, die der Haushalt wünscht und transportiert sie über die normalen Heizleitungen in die Räume. > Radius: Stimmt es, dass Wärmepumpen auch zur Kühlung genutzt werden können? W. Holzfeind: Ja, das ist ein enormer Vorteil gegenüber anderen Energieformen. Wolfgang Holzfeind Wenn es heiß ist, kann die Wärmepumpe problemlos durch Umschalten zur natürlichen Klimaanlage umfunktioniert werden. Sie sorgt für gleichmäßige Kühlung und verbraucht dabei nur minimal Energie für die Umwälzpumpe, die für den Transport des kühlenden Wassers aus der Erde und durch das Gebäude sorgt. Im Unterschied dazu fressen herkömmliche Klimaanlagen die Energie regelrecht. Und sie befördern zusätzliche warme Luft in die Atmosphäre, während die Wärmepumpen die Wärme wieder zurück in die Erde pumpen. Tel. 0471 052 828 | Fax 0471 052 829 Zufriedenheit mit dem System Wärmepumpenverkauf in der Schweiz: Zufriedenheit mit dem System. > Radius: Ihr Unternehmen baut Geothermieanlagen für größere Gebäude, aber auch für kleine Haushalte. Wie ist die Resonanz der Kunden? W. Holzfeind: Wenn ich jetzt sage, dass alle zufrieden sind, wäre das eine Behauptung. Ich habe jedenfalls bis jetzt nur positive Rückmeldungen bekommen. In der Schweiz, das wie gesagt Vorreiter in Sachen Erdwärme ist, hat man vor einigen Jahren eine Zufriedenheitsstudie durchgeführt. 95 Prozent der Kunden waren damals zufrieden bis sehr zufrieden. Das sagt doch einiges über die Erdwärme aus. Geoliving GmbH Koperinkusstr. 13 A | 3100 Bozen info@geoliving.it | www.geoliving.it Quelle: Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz FWS Quelle: 218 telefonische Interviews

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