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Energie & Umwelt 2014

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themenbereich 8 05/2014 05/2014 9 Mehr sehen mit weniger Licht Land unter am Reschenpass Fortschritt nicht ohne Leid: Mit der Planung von Stauanlagen und dem Bau verschiedener Großprojekte in Südtirol sind im vergangenen Jahrhundert unzählige menschliche Schicksale verbunden. Am bekanntesten ist die Geschichte des Reschenstausees. Das erste Projekt zur Aufstauung der Seen von Graun und Reschen wurde bereits 1911 durch Prof. Richard von Klebelsberg erstellt. Es wurde, wie auch folgende Pläne, auf Grund eingebrachter Proteste abgelehnt. Mit der zunehmenden Industrialisierung stieg in Italien auch der Strombedarf. So wurden die Pläne, mit Hilfe großer Stauanlagen Strom zu erzeugen, wieder aufgegriffen und Rom erteilte die Genehmigung zum Beginn der Bauarbeiten. Die Bevölkerung war zu diesem Zeitpunkt noch gänzlich über ihre Zukunft im Unklaren gelassen worden. Doch kurz darauf begann die Zwangsenteignung der Grundstücke. Bauarbeiter aus allen Provinzen Italiens wurden für die Arbeiten herangezogen, die 1943 auf Grund der Kriegslage zum Stillstand kamen. Es wird geflutet Erst als 1946 endgültig feststand, dass Südtirol bei Italien verbleiben würde, nahm Montecatini die Bauarbeiten wieder auf. Jetzt wurde erstmals die Bevölkerung über das gesamte Ausmaß der geplanten Arbeiten informiert. Es stellte sich heraus, dass Graun komplett, Reschen und die Fraktion St. Valentin zu großen Teilen in den Fluten verschwinden würden. Insgesamt sollten sieben Quadratkilometer bestes Ackerland überschwemmt werden. Am 1. August 1949 wurden zum ersten Mal die Schleusen geschlossen. Die ersten Häuser standen bald unter Wasser, die Bauern hatten nicht einmal die Möglichkeit, ihre Ernte einzubringen. Die örtliche Bevölkerung, mit Spottpreisen für ihre Ländereien und Immobilien abgespeist, wurde in die hastig errichteten neuen Dörfer und die Barackensiedlung am Eingang des Langtauferer Tales umgesiedelt. Im Sommer 1950 versanken dann das ganze Dorf Graun und ein großer Teil Reschens im Stausee. Nur der romanische Turm aus dem 14. Jahrhundert blieb auf Anweisungen des Denkmalamtes unangetastet. Er ist heute Wappenzeichen, Mahnmal und Zeugnis des versunkenen Dorfes Graun und seiner verlorenen Kultur. Ähnliche Schicksalsschläge im ganzen Land Nicht nur die Menschen von Graun und Reschen mussten den steigenden Wassermassen weichen. Ein ähnliches Schicksal hatte die Bevölkerung bereits zehn Jahre zuvor in Franzensfeste und Mühlbach beim Bau der Stauseen zu ertragen. Zwischen 1938 und 1940 verschwand die kleine Ortschaft Unterau von Franzensfeste in den Fluten des Eisacks. In Mühlbach gingen mehrere Höfe und große landwirtschaftliche Nutzflächen verloren. Auch dem Bau des Vernagtstausees in Schnals fielen sechs Höfe zum Opfer. Einige der angestrebten Projekte, wie die der Aufstauung der Ahr und des Rötbaches im Ahrntal und die Anlegung von sieben Stauseen im Passeiertal, die unter anderem Pfelders überflutet hätten, konnten durch Proteste der Bevölkerung, des Landes und der Gemeinden zu Fall gebracht werden. Auch die Vorhaben im Gebiet Hafling – Vöran – Mölten, wo zwei Stauseen entstehen sollten, und die Anlage eines Kraftwerkes bei Pfatten wurden glücklicher Weise niemals realisiert. Als letztes Projekt geisterte ein Großkraftwerk in Rein/Taufers durch die Köpfe einiger Planer. Das endgültige Aus dafür kam erst Anfang der Achzigerjahre. Nacht für Nacht beleuchten tausende Lichtquellen unseren Lebensraum. Ausgehend von Städten, Ortschaften, Straßen, Diskotheken dehnen sich künstliche Beleuchtungen immer mehr auch in Bereiche aus, wo sie bis vor einigen Jahren noch undenkbar waren. Die nächtliche Beleuchtung von Rodelpisten und Skigebieten sowie von Bergstationen von Seilbahnen erhellt den Himmel auch in entlegenen Berggebieten. Die nächtliche Lichtkonzentration ist im letzten Jahrhundert stetig gestiegen und geht vielerorts weit über das Bedürfnis nach Sicherheit hinaus. Ein wesentlicher Teil der künstlichen Lichtquellen ist ästhetisch-dekorativ oder dient Werbe- und Marketingzwecken. Nicht grundlos spricht man heute von Lichtverschmutzung. Dies bedeutet die Verschmutzung der Umwelt durch reflektierendes und gestreutes Licht von künstlichen Beleuchtungsanlagen. Lichtverschmutzung stellt aber nicht nur ein Problem für Astronomen dar, da die Aufhellung des Nachthimmels ihre Beobachtungen stört, sondern beeinträchtigt auch unseren Lebensraum, unsere nächtliche Ruhe und Erholung und ist mit negativen Folgen für Pflanzen und Tiere verbunden. Stopp der Lichtverschmutzung Die „erhellte“ Nacht beeinflusst den natürlichen Tag-Nacht- Rhythmus des Menschen; Schlafstörungen, Energielosigkeit und andere Folgeerkrankungen können die Auswirkungen von Lichtemissionen auf das Wohlbefinden und die Gesundheit des Menschen sein. Schlechte und ineffiziente Beleuchtungsanlagen, deren Licht keinen Beleuchtungszweck erfüllt und unnötig in den Nachthimmel gestrahlt wird, verschwenden Energie. Dies wiederum belastet durch den Energieverbrauch die Umwelt und führt in der Folge zu einer erhöhten Kohlendioxidemission in die Atmosphäre. Richtlinien für Beleuchtung Auch die Landesregierung der Autonomen Provinz Bozen hat sich mit dem Thema beschäftigt und eine Richtlinie zur Einschränkung der Lichtverschmutzung und zur Energieeinsparung festgelegt. Diese regelt den Bau neuer Anlagen zur öffentlichen Außenbeleuchtung. Die Richtlinie zielt aber auch auf die stufenweise Anpassung bereits bestehender öffentlicher Außenbeleuchtungen in Südtirol ab. „Damit wollen wir das Bewusstsein stärken, etwas gegen die Lichtverschmutzung tun, unseren Energieverbrauch senken und damit auch die Kosten für die Öffentlichkeit reduzieren,“ so der zuständige Landesrat Florian Mussner. Unlängst wurde die Südtiroler Richtlinie vom Projekt „Sternenpark Schwäbische Alb“ (Baden Württemberg) als Vorbild für eine noch auszuarbeitende Richtlinie zur Vermeidung der Lichtverschmutzung in Deutschland bezeichnet und die Vorreiterrolle Südtirols unterstrichen. Lösungen, wie abgeschirmte Leuchten (Full-cut-off), effizientere Lampen, die mit weniger Leistung gleich viel Licht erzeugen, die Verwendung von Bewegungsmeldern, die Reduzierung der Beleuchtungsdauer in der Nacht, eine gezielt ausgerichtete Beleuchtung (von oben nach unten, denn das Licht, das Richtung Himmel geht, ist energietechnisch verloren), um nur einige zu nennen, leisten einen wesentlichen Beitrag, der Lichtverschmutzung vorzubeugen. Südtirol als Beispiel Es gibt auch bereits einige Positivbeispiele in Südtirol. Laut einer, im August dieses Jahres durch das „Istituto di scienza e tecnologia dell’inquinamento luminoso“, Thiene (VI) durchgeführten Erhebung, ist das Ahrntal eines der dunkelsten Gebiete Europas. Der Präsident von „CieloBuio“, Fabio Falchi, der persönlich die Erhebung durchgeführt hat, betont dabei, dass solche Gebiete einen unschätzbaren ökologischen, kulturellen und touristischen Wert haben. Diesen Wert gilt es zu bewahren. INFO Amt für Energieeinsparung Mendelstraße 33 | 39100 Bozen Tel. 0471 414 720 energieeinsparung@provinz.bz.it www.provinz.bz.it/umweltagentur

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